Gültig am:
Publiziert am: 25.09.2018

Die Lagebeschreibung ist aktualisiert worden.


Reisehinweise für Nicaragua

Diese Reisehinweise entsprechen der aktuellen Lagebeurteilung des EDA. Sie werden laufend überprüft und bei Bedarf angepasst.
Beachten Sie auch die nebenstehenden länderunabhängigen Reiseinformationen und die Fokus-Themen; sie sind Bestandteil dieser Reisehinweise.

Aktuelles

Bei Reisen nach Nicaragua ist der persönlichen Sicherheit grosse Aufmerksamkeit zu schenken. Die politische und soziale Lage ist äusserst gespannt.

Im Frühjahr und im Sommer 2018 kam es zu landesweiten, teils gewaltsamen Protesten. Die Bevölkerung äusserte ihre Frustration über die politische und soziale Lage durch Massendemonstrationen, Strassenblockaden und Streiks. Auch Sachbeschädigungen und Plünderungen kamen vor. Ausschreitungen und Zusammenstösse zwischen Demonstranten und den Sicherheitskräften sowie zwischen Demonstranten und paramilitärische Gruppierungen haben zahlreiche Todesopfer und Verletzte gefordert.

Im Juli 2018 räumten Sicherheitskräfte und paramilitärischen Gruppierungen gewaltsam die meisten der landesweiten Strassenblockaden der Demonstranten.

Es muss weiterhin mit Streiks und Demonstrationen gerechnet werden. Gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen den Sicherheitskräften, paramilitärischen Gruppen und den Demonstranten sind dabei möglich. Das Risiko, unversehens in eine gewaltsame Auseinandersetzung zu geraten, ist hoch. Verspätungen und Behinderungen des Reiseverkehrs sowie Versorgungsengpässe sind weiterhin möglich. Ambulanzen, Spitäler etc. funktionieren teilweise eingeschränkt.

Die Kriminalitätsrate ist hoch und nimmt weiter zu (siehe Kapitel Kriminalität).

Eine weitere Verschlechterung der Lage ist nicht ausgeschlossen.

Informieren Sie sich vor und während der Reise in den Medien und bei Ihrem Reiseveranstalter über die aktuelle Lage. Auskunft über die Flug- und Busverbindungen erteilen die Flug- und Busgesellschaften.

Befolgen Sie die Anweisungen der lokalen Behörden und meiden Sie grössere Menschenansammlungen und Kundgebungen jeder Art. Für ausländische Staatsangehörige ist die Teilnahme an politischen Aktivitäten verboten. Seien Sie nach Einbruch der Dunkelheit weder zu Fuss noch mit einem Fahrzeug unterwegs.

Beachten Sie auch die nachstehenden Informationen und Empfehlungen.

Grundsätzliche Einschätzung

Soziale und politische Spannungen äussern sich mitunter in Demonstrationen und Streiks; dabei kann es auch zu Ausschreitungen und Plünderungen kommen.

Im Falle von Strassenblockaden und Streiks bleibt den Reisenden nichts anderes übrig, als sich lokal über alternative Reisemöglichkeiten zu erkundigen und gegebenenfalls die Normalisierung der Lage abzuwarten. Die schweizerische Vertretung in Managua hat bei Blockaden nur eng begrenzte - je nach Situation gar keine - Möglichkeiten zur Unterstützung der Ausreise aus den betroffenen Regionen.

Das Risiko von terroristischen Anschlägen kann auch in Nicaragua nicht ausgeschlossen werden. Die Rubrik Terrorismus und Entführungen macht auf die Risiken des Terrorismus aufmerksam.
Terrorismus und Entführungen

Informieren Sie sich vor und während der Reise in den Medien und bei Ihrem Reiseveranstalter über die aktuelle Lage. Befolgen Sie die Anweisungen der lokalen Behörden, und meiden Sie grössere Menschenansammlungen und Kundgebungen jeder Art.

Spezifische regionale Risiken

Bei der Beschreibung von Gefahrenzonen handelt es sich um ungefähre Angaben; Risiken lassen sich nicht auf exakt umrissene Gebiete einschränken.

Informieren Sie sich vor Reisen in abgelegene Gebiete im Norden des Landes bei den lokalen Behörden über die Sicherheitslage.

Kriminalität

Die Kriminalitätsrate ist hoch und nimmt weiter zu. Der Besitz und Einsatz von Waffen ist verbreitet. Am häufigsten sind Diebstähle durch bewaffnete Kriminelle auf Motorrädern, Taschen- und Entreissdiebstähle, Aufbruch von Autos und Einbruch in unbewachte Häuser und Hotels, Geldforderungen an Strassensperren, Überfälle auf Personen und Geschäfte. Im Zentrum von Managua, in abgelegenen Gebieten, in Busbahnhöfen und bei Taxifahrten ist das Risiko am höchsten. Es kommt vor, dass Taxifahrer in Raubüberfälle und in sogenannte Express-Entführungen involviert sind, bei denen das Opfer zu Bargeldbezügen oder Einkäufen mit der Kreditkarte gezwungen wird. Es kann nicht immer mit der Unterstützung durch die Polizei gerechnet werden.

Beachten Sie unter anderem nachstehende Vorsichtsmassnahmen:

  • Touristen verzichten vorzugsweise auf Einzelreisen.
  • Tragen Sie keine Wertgegenstände (Uhren, Schmuck usw.) und nur wenig Geld auf sich
  • Deponieren Sie Ihre Dokumente im Hotelsafe; tragen Sie jedoch immer eine Fotokopie des Reisepasses auf sich (einschliesslich der Seite mit dem Einreisestempel).
  • Wählen Sie eine Unterkunft, die über Wachpersonal verfügt.
  • Lassen Sie Fahrzeuge nie unbeaufsichtigt. Profitieren Sie von den zahlreichen bewachten Parkplätzen (Bezahlung der Wächter durch die Benutzer).
  • Meiden Sie die städtischen Armenviertel.
  • Vorsicht mit Geldautomaten - diese werden teilweise für Missbräuche manipuliert. Benutzen Sie nur überwachte Geldautomaten im Innern von Bankgebäuden.
  • Lassen Sie ein gesundes Misstrauen walten, wenn unbekannte oder nur flüchtig bekannte Personen (auch Jugendliche) Ihnen Hilfe anbieten, z.B. bei der Suche nach einem Taxi. Sie arbeiten oft mit Dieben zusammen.
  • Benutzen Sie wenn möglich nur Taxis, die Sie oder Ihr Hotel telefonisch bestellt haben (z.B. bei einer Kooperative). Falls es unumgänglich ist, ein Taxi auf der Strasse herbeizurufen, achten Sie darauf, dass es ein rotes Nummernschild hat und das Taxizeichen auf dem Dach montiert ist. Bestehen Sie in jedem Fall darauf, dass keine zusätzlichen Fahrgäste zusteigen. Benutzen Sie auch keine Kollektivtaxis.
  • Seien Sie bei Spaziergängen stets vorsichtig, seien Sie nach Einbruch der Dunkelheit weder zu Fuss noch mit einem Fahrzeug unterwegs.
  • Leisten Sie bei einem Überfall keinen Widerstand, denn die Gewaltbereitschaft ist hoch.

Verkehr und Infrastruktur

Der Strassenzustand ist teilweise schlecht. Nach starken Regenfällen muss mit massiven Verkehrsbehinderungen gerechnet werden. Ein zusätzliches Risiko bilden das unvorhersehbare Verhalten vieler Verkehrsteilnehmer, streunende Tiere, mangelhaft gewartete und unbeleuchtete Fahrzeuge. Verzichten Sie wegen des erhöhten Unfall- und Überfallrisikos auf nächtliche Überlandfahrten.

Mietwagen sind oft schlecht gewartet; kontrollieren Sie deshalb bei der Übernahme Bremsen, Lichter etc.

Bei Unfällen dürfen die Fahrzeuge bis zum Eintreffen der Polizei nicht bewegt werden, denn dies wird als Eingeständnis der Schuld gewertet.

Die Qualität der Sicherheitsvorkehrungen und des Materials im Bereich von Risikosportarten ist sehr unterschiedlich. Informieren Sie sich bei lokalen Anbietern über Sicherheitsmassnahmen, gut organisierte medizinische Evakuierungsmöglichkeiten im Falle eines Unfalls und kontrollieren Sie das zur Verfügung gestellte Material.

Besondere rechtliche Bestimmungen

Diebstahl- und andere Anzeigen müssen zwingend auf der Polizeistation am Ort des Verbrechens gemacht werden. Andere Polizeistationen nehmen die Anzeigen nicht entgegen.

Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz werden schon bei geringen Mengen und bei jeder Art von Drogen mit langjährigen Gefängnisstrafen geahndet.
Die Haftbedingungen sind prekär: überfüllte Zellen, schlechte Lüftung und keine Klimaanlage,  unzulängliche hygienische Verhältnisse und Ernährung etc.

Für ausländische Staatsangehörige ist die Teilnahme an politischen Aktivitäten verboten.

Juristische Verfahren und polizeiliche Ermittlungen verlaufen anders als in der Schweiz: Es muss mit langen Wartefristen gerechnet und den lokalen Gegebenheiten Rechnung getragen werden. Die Dienste eines sorgfältig ausgewählten lokalen Anwalts sind unabdingbar.

Naturbedingte Risiken

Nicaragua liegt in einer Erdbebenzone. Erdbeben und Vulkanausbrüche sind jederzeit möglich und können neben Verwüstungen auf dem Land auch Tsunami auslösen.
Pacific Tsunami Warning Center PTWC

Von Mai bis November muss mit Hurrikanen und starken Regenfällen gerechnet werden, die Überschwemmungen, Erdrutsche und Flutwellen auslösen können. Der Reiseverkehr kann vorübergehend beeinträchtigt werden.

Unternehmen Sie Wanderungen auf Vulkane nur mit ortskundigen Führern und guter Ausrüstung. Beachten Sie die Wettervorhersagen sowie die Warnungen und Instruktionen der lokalen Behörden, z.B. Absperrungen um aktive Vulkane, Evakuationsbefehle.
World Meteorological Organization (WMO)
Informationen über Erdbeben und Vulkane: Instituto Nicaragüense de Estudios Territoriales (INETER) 
Sistema Nacional para la Prevención, Mitigación y Atención de Desastres (SINAPRED)

Sollte sich während Ihres Aufenthalts eine Naturkatastrophe ereignen, melden Sie sich möglichst rasch bei Ihren Angehörigen und befolgen Sie die Anweisungen der Behörden. Sind die Verbindungen ins Ausland unterbrochen, kontaktieren Sie das Schweizer Konsulat in Managua.

Medizinische Versorgung

Ausserhalb von Managua ist die medizinische Versorgung nur beschränkt gewährleistet. Zeitweise sind selbst in Managua nicht genügend Medikamente und Material für die Behandlung vorhanden. Private Krankenhäuser verlangen in der Regel im Falle einer stationären Hospitalisierung eine Vorschusszahlung, bevor sie Patienten behandeln (Kreditkarte oder Bargeld).

Wenn Sie auf bestimmte Medikamente angewiesen sind, sollte Ihre Reiseapotheke einen ausreichenden Vorrat enthalten. Bedenken Sie jedoch: In vielen Ländern gelten besondere Vorschriften für die Mitnahme von betäubungsmittelhaltigen Medikamenten (z.B. Methadon) und Substanzen, mit denen psychische Erkrankungen behandelt werden. Erkundigen Sie sich gegebenenfalls vor der Abreise direkt bei der zuständigen ausländischen Vertretung (Botschaft oder Konsulat) und konsultieren Sie die Rubrik Reiselinks, wo Sie unter anderem weitere Informationen zu diesem Thema sowie generell zur Reisemedizin finden. Über die Verbreitung von Krankheiten und mögliche Schutzmassnahmen informieren Ärzte und Impfzentren.

Nützliche Adressen

Notruf Polizei: 118
Notruf Touristenpolizei: 101
Notruf Ambulanz: 128
Notruf Feuerwehr: 115

Schweizer Vertretungen im Ausland: Wenn Sie im Ausland in eine Notlage geraten, können Sie sich an die nächste Schweizer Vertretung oder an die Helpline EDA wenden.
Schweizer Konsulat in Managua
Regionales Konsularcenter in San José, Costa Rica
Helpline EDA

Ausländische Vertretungen in der Schweiz: Auskunft über die Einreisevorschriften (zugelassene Ausweise, Visum etc.) erteilen die zuständigen ausländischen Botschaften und Konsulate. Sie informieren auch über die Zollbestimmungen für die Ein- und Ausfuhr von Tieren und Waren: elektronische Geräte, Souvenirs, Medikamente etc.
Ausländische Vertretungen in der Schweiz

Ausschluss der Haftung
Die Reisehinweise des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) stützen sich auf eigene, als vertrauenswürdig eingeschätzte Informationsquellen. Sie verstehen sich als nützliche Hinweise zur sorgfältigen Planung einer Reise. Das EDA kann Reisenden aber den Entscheid und die Verantwortung für die Vorbereitung und Durchführung der Reise nicht abnehmen.
Gefahrensituationen sind oft nicht vorhersehbar, unübersichtlich und können sich rasch ändern. Das EDA übernimmt keine Gewähr für die Vollständigkeit der Reisehinweise und für die Richtigkeit des Inhalts von verlinkten externen Internetseiten. Es lehnt jede Haftung für allfällige Schäden im Zusammenhang mit einer Reise ab. Forderungen im Zusammenhang mit der Annullierung einer Reise sind direkt beim Reisebüro oder der Reiseversicherung geltend zu machen.