Eidgenössisches Departement für
auswärtige Angelegenheiten EDA

Gesundheit und sichere Gebäude im Zentrum der Schweizer Soforthilfe in Beirut

Das Ausmass der Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut vom 4. August 2020 ist gewaltig. Die Gesundheitsversorgung wurde stark getroffen. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA schickte am 13. und 14. August 2020 weitere Mitglieder des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe (SKH) nach Beirut. Die Schweiz hat zwei Aktionslinien bestimmt in den Bereichen Gesundheit und Gebäudesicherheit.

14.08.2020
Zwei Männer stehen vor einem Jet auf dem Rollfeld des Flughafens Bern-Belp.

Manuel Bessler, Chef der Humanitären Hilfe des Bundes und ein Logistiker vor dem Jet kurz vor Abflug nach Beirut. © EDA

Ein Pilot kontrolliert, ob Kisten mit humanitären Hilfsgüter im Innern des Flugzeugs gut befestigt sind.
Der Pilot der Schweizer Luftwaffe, der das Flugzeug nach Beirut fliegt, packt beim Verladen der humanitären Hilfsgüter mit an. © EDA

14. August 2020, 7.30 Uhr: An der Scheide zwischen Aare- und Gürbetal liegt friedlich der Flughafen Bern-Belp. Gurten und Längenberg sind wolkenverhangen. Es ist kühl und nass. In einem Hangar neben dem Rollfeld lässt sich reges Treiben beobachten. Frauen und Männer der Humanitären Hilfe des Bundes in gelben Leuchtwesten verladen Kiste um Kiste in ein Flugzeug des Lufttransportdienstes des Bundes. In den Kisten verborgen ist Material für das sogenannte «Mother and Child»-Modul. Um 8:15 Uhr hebt der Jet mit einem Anästhesiepflegefachmann und einer Logistikexpertin des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe (SKH) an Bord ab. Am Vorabend des 14. August sind bereits vier andere Mitglieder des SKH von Genf aus nach Beirut geflogen.

Zwei Aktionslinien der Humanitären Hilfe in Beirut

Die Explosion in Beirut vom 4. August 2020 war gewaltig. «Für die Unterstützung nach der verheerenden Explosion im Libanon haben wir zwei Aktionslinien definiert. Die eine ist Gesundheit, die andere ist die Renovation von Schulgebäuden», erklärte Manuel Bessler, Chef der Humanitären Hilfe des Bundes, auf dem Rollfeld des Flughafens Bern-Belp.

Für die Unterstützung nach der verheerenden Explosion im Libanon haben wir zwei Aktionslinien definiert. Die eine ist Gesundheit, die andere ist die Renovation von Schulgebäuden.
Manuel Bessler, Chef der Humanitären Hilfe des Bundes

Gesundheitssystem ist stark von der Explosion betroffen

Die Druckwelle beschädigte zahlreiche Spitäler der Stadt, vier davon schwer. 500 Spitalbetten, die dringend benötigt werden, fehlen. Die Schweiz hat deswegen entschieden, ein «Mother and Child»-Modul in die libanesische Hauptstadt zu schicken. Das Modul ist gleichbedeutend mit einer medizinischen Einheit des SKH. Sie setzt sich aus ausgebildetem Personal von Kinderärzten, Anästhesisten, Geburtshelfern, Hebammen und Krankenschwestern zusammen. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen chirurgische Eingriffe für Kinder und die Unterstützung bei Geburten. «Das «Mother and Child»-Modul wurde nach dem Erdbeben in Haiti 2014 entwickelt, dann kam es in Nepal zum Einsatz und jetzt im Libanon. Das ist eine der Aktionslinien. Die andere Aktionslinie ist die Wiederherstellung von Schulen vor Ort», so Bessler.

Das «Mother and Child»-Modul wurde nach dem Erdbeben in Haiti 2014 entwickelt, dann kam es in Nepal zum Einsatz und jetzt im Libanon. Das ist eine der Aktionslinien. Die andere Aktionslinie ist die Wiederherstellung von Schulen vor Ort.
Manuel Bessler, Chef der Humanitären Hilfe des Bundes

Spitäler und Schulen beschädigt

Die Druckwelle der Explosion beschädigte unzählige Gebäude der Stadt, darunter auch Spitäler. Unter Aufsicht einer SKH-Bauexpertin werden die nötigen Reparaturarbeiten an zwei Spitälern vorgenommen. Eines davon wird bereits in den nächsten Tagen die Gesundheitsversorgung für die notleidende Bevölkerung wiederaufnehmen können. Das Schweizer Team überprüfte gemeinsam mit Partnern vor Ort bereits über 80 öffentliche Gebäude auf ihre Stabilität.

Tausende Kinder und Jugendliche sollen wieder Zugang zu Bildung erhalten

Der Vorfall vom 4. August 2020 beschädigte auch über 120 Schulen. Das Instandstellen der Schulen ist zentral, damit tausende Kinder und Jugendliche wieder Zugang zu Bildung erhalten. Mit der Unterstützung der Schweiz ist geplant, dass sechs Schulhäuser zu Semesterstart im September ihren Betrieb wiederaufnehmen können.

5 Millionen Franken für die notleidende Bevölkerung in Beirut

Die Schweiz hat schnell auf die humanitäre Notlage durch die Explosion in Beirut reagiert. Bundesrat Ignazio Cassis hat fünf Millionen Franken für die Soforthilfe in Beirut freigegeben. Davon werden vier Millionen in den Bereichen Gesundheit und Bildung eingesetzt. Eine Million wird zu gleichen Teilen dem Libanesischen Roten Kreuz und der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) zur Verfügung gestellt.

Humanitäre Hilfe der Schweiz

Die Humanitäre Hilfe des Bundes setzt sich vor, während und nach Konflikten, Krisen und Naturkatastrophen für die Interessen von schutzbedürftigen Menschen ein. Dabei konzentriert sie sich auf folgende Bereiche: Wiederaufbau und Rehabilitation der betroffenen Gebiete, Katastrophenvorsorge, Schutz von verletzlichen Personen und Nothilfe. Die Humanitäre Hilfe gehört zur Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und ist Teil des eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA).

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