«Die Botschaft stellt die effiziente und korrekte Umsetzung der Projekte vor Ort sicher»

49 Mitarbeitende arbeiten auf der Schweizer Botschaft in Kyjiv (Kiew) unermüdlich, um die Schweizer Programme zur Unterstützung der ukrainischen Bevölkerung vor Ort umzusetzen und voranzutreiben. Die Übersicht auf der Karte zeigt ein breites Spektrum an Projekten; von der humanitären Minenräumung, über die Suche nach vermissten Personen bis hin zu Trams für den öffentlichen Verkehr und der Digitalisierung von öffentlichen Dienstleistungen.

23.02.2024
EDA
Ein Haus mit hellgelb bemalter Fassade, vor dem eine Schweizer Fahne steht.

Das Gebäude der Schweizer Botschaft in Kyjiv (Kiew). © EDA

Der Krieg in der Ukraine hat vieles, um nicht zu sagen fast alles, im Land verändert. Auch die Arbeit und den Fokus der Schweizer Botschaft in Kyjiv.

Das Team von Botschafter Félix Baumann erfüllt typische diplomatische Aufgaben einer Botschaft im Ausland (z.B. Wahrung der Schweizer Interessen im politischen oder wirtschaftlichen Bereich) und kümmert sich gleichzeitig auch um die Umsetzung der vielfältigen Projekte in Rahmen des Kooperationsprogramms der internationalen Zusammenarbeit. Die Schweiz unterstützt seit bald 30 Jahren die Ukraine mit Programmen vor Ort. Die bilateralen Beziehungen konnten mit der Ukraine Recovery Conference in Lugano 2022, dem Treffen der Nationalen Sicherheitsberater im Rahmen der Ukrainischen Friedensformel in Davos Anfang 2024 und den Besuchen von Bundespräsident Cassis und Berset in der Ukraine noch weiter vertieft. Die Schweiz hat ihr Kooperationsprogramm der internationalen Zusammenarbeit in den letzten zwei Jahren angepasst und die dringend notwendige humanitäre Hilfe verstärkt. Und auch Projekte im Bereich Frieden und Menschenrechte sind ein wichtiger Pfeiler der Arbeit unserer Botschaft in Kyiv.

Im Kontext des Kriegs in der Ukraine setzt sich die Schweiz ein für:

  • den Schutz der Zivilbevölkerung,
  • die Achtung der Menschenrechte und des humanitären Völkerrechts
  • die Bekämpfung von Straflosigkeit 
  • für Dialog,
  • die Verbesserung des Lebensstandards der Bevölkerung,
  • effizientere öffentliche Dienstleistungen,
  • die Förderung eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums

Interaktive Karte

Von Kiew über Sumy und Lviv bis nach Kharkiv: Eine interaktive Karte stellt die Unterstützung des Bundes für die vom Krieg in der Ukraine betroffenen Menschen dar. Klicken Sie auf das Bild, um mehr zu den Projekten zu erfahren.

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Die Botschaft stellt die effiziente und korrekte Umsetzung der Projekte vor Ort sicher.

Interview mit Félix Baumann

Porträt von Félix Baumann, Schweizer Botschafter in der Ukraine.
Félix Baumann, Schweizer Botschafter in der Ukraine. © EDA

Félix Baumann, Sie sind seit letztem Sommer Schweizer Botschafter in der Ukraine. In was für einem Land leben Sie?

In einem Land, das unermüdlich für sein Überleben, für seine Freiheit und für seine Kultur kämpft. Ein Land, in dem unzählige Menschen durch den Krieg Angehörige verloren haben, ihrer Zukunftsträume beraubt wurden, ihr Zuhause verlassen oder von ihrem Wohnort flüchten mussten. Das Leiden ist vielerorts immens. Und momentan befindet sich das Land in einer schwierigen Phase. Die Verlässlichkeit und das langfristige Unterstützung der Schweiz werden umso mehr geschätzt: Wir unterstützen spezifisch in den Bereichen, wo wir einen Mehrwert erzeugen können. 

Die Karte zeigt eine eindrückliche Bandbreite an Themen, in denen sich die Schweiz für die ukrainische Bevölkerung vor Ort einsetzt. Welches der aktuell laufenden Projekte, finden Sie am spannendsten und warum?

Die Unterstützung nimmt verschiedene Formen an. In einem befreiten Dorf der Region Kherson spürte ich die grosse Dankbarkeit der Leute, die dank unserer Hilfe wieder ein warmes Wohnzimmer haben. Die digitale Transformation, die die Schweiz seit 2015 unterstützt, ist eine Schlüsselkomponente für die Widerstandsfähigkeit der Ukraine. Aber auch kleine Beiträge können viel bewirken: ich besuchte vor kurzem in Kharkiv eine Bäckerei, die eine aus Izium vertriebene junge Frau dank einem Mikrokredit eröffnen und so ihr berufliches Leben neu starten konnte.

Ein Haus mit hellgelb bemalter Fassade, vor dem eine Schweizer Fahne steht.
Das Gebäude der Schweizer Botschaft in Kyjiv (Kiew). © EDA

Wie würden Sie die Rolle der Botschaft konkret beschreiben, was genau ist Eure Aufgabe bei der Umsetzung der Programme und Lieferungen vor Ort?

Die Botschaft stellt die effiziente und korrekte Umsetzung der Projekte vor Ort sicher. Sie überprüft, ob gewisse Projekte noch sinnvoll sind oder ob es anderswo neue Bedürfnisse gibt. Zudem unterhalten wir die Kontakte mit unseren Partnern, seien es staatliche Behörden, Vertreter der ukrainischen Zivilgesellschaft oder internationale Organisationen wie die UNO oder das IKRK. Schliesslich kommunizieren wir in der Ukraine über die Arbeit der Schweiz.

Nach kurzer vorübergehender Schliessung der Botschaft im Frühjahr 2022 ist sie seit Mai 2022 wieder durchgehend offen. Inwiefern ist der Botschaftsbetrieb unter Kriegszustand ein anderer als sonst? Wo bemerken Sie den Krieg im Alltag in Kyiv?

Kyiv liegt zwar relativ weit von der Front entfernt. Aber die Volatilität der allgemeinen Lage beeinflusst unsere Arbeit. Jeder Tag ist unberechenbar. Gibt es zum Beispiel einen Luftalarm? Dies alles führt bei den Mitarbeitenden zu einer physischen und mentalen Müdigkeit. Unsere ukrainischen Kolleginnen und Kollegen leben seit nun zehn Jahren in einem durch Krieg geprägten Land. Wir müssen dieser Belastung Rechnung tragen. Im Gegenzug kriegt man das Gefühl, einen kleinen Beitrag zur Unterstützung der Ukraine und seiner Bevölkerung leisten zu können.

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