Eidgenössisches Departement für
auswärtige Angelegenheiten EDA

Covid-19: Die Schweiz verstärkt ihre internationale Zusammenarbeit

Das Coronavirus breitet sich auch in Entwicklungsländern aus. Die Auswirkungen sind für die betroffenen Staaten besonders schwerwiegend. Die Schweiz zeigt sich solidarisch und reagiert rasch und effektiv im Rahmen ihrer internationalen Zusammenarbeit (IZA) auf die aktuellen Herausforderungen. In zahlreichen Ländern konnte sie bereits Massnahmen umsetzen, um die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Pandemie abzufedern. Bis anhin stellte sie bereits 101.42 Millionen CHF für eine globale Antwort auf die Covid-19 Pandemie bereit. Am 29. April 2020 hat der Bundesrat hat entschieden, dass sich die Schweiz mit 400 Millionen CHF an internationalen Aktionen zur Linderung der Auswirkungen der Covid-19-Pandemie, insbesondere in den Entwicklungsländern, beteiligen wird.

Am 31. März 2020 schickte die Schweiz Atemschutzmasken, Brillen und Schutzanzüge nach Moldova, um das Gesundheitspersonal an vorderster Front bei der Bekämpfung von Covid-19 zu schützen.

Dank Schweizer Unterstützung können grosse Flächen im Flüchtlingslager Cox Bazar in Bangladesch desinfiziert werden, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. © BRAC Bangladesch

Die Covid-19-Pandemie wirkt sich drastisch auf die Gesundheit und das wirtschaftliche und soziale Leben aus. Entwicklungsländer trifft das Virus besonders stark: Oft fehlt ein funktionierendes Gesundheitssystem und die Menschen haben weder Ersparnisse noch geregelte Arbeitsverhältnisse oder ein stabiles staatliches Sozialsystem, das sie vor dem Verlust ihrer Existenzgrundlage schützen könnte. Mangelernährung, HIV und Tuberkulose machen zudem viele Menschen in den betroffenen Ländern anfälliger für die neuartige Lungenkrankheit. «Social Distancing» ist schwierig umzusetzen: Grossfamilien leben gemeinsam auf engstem Raum, WCs werden breit geteilt und Trinkwasser ist knapp. Der Ausbruch des Virus in einem Flüchtlingslager wie in Syrien oder Bangladesch wäre daher eine humanitäre Katastrophe. Zahlreiche Menschen verlieren aktuell ihre Lebensgrundlage und werden sich gezwungen sehen, ihre Heimat zu verlassen.

Eine Krankenschwester in Schutzkleidung steht neben einem Beatmungsgerät für die Therapie von schweren Covid-Fällen.
Am 31. März 2020 schickte die Schweiz Atemschutzmasken, Brillen und Schutzanzüge nach Moldova, um das Gesundheitspersonal an vorderster Front bei der Bekämpfung von Covid-19 zu schützen. © EDA

Rasche und unbürokratische Reaktion der internationalen Zusammenarbeit

Es ist im Interesse der Schweiz, andere Staaten im Kampf gegen Covid-19 zu unterstützen, um die weitere Ausbreitung der Pandemie mit ihren schwerwiegenden Folgen einzudämmen. Die internationale Zusammenarbeit der Schweiz (IZA) konnte über die einzelnen Bereiche rasch, effektiv und flexibel reagieren:

  • Humanitäre Hilfe: Antwort auf unmittelbaren Bedarf der Menschen (Gesundheit, Nahrungsmittel)
  • Bilaterale Entwicklungshilfe: Abfederung der wirtschaftlichen und sozialen Folgen durch schnelle und mittelfristige Anpassung ihrer Aktivitäten
  • Globale Zusammenarbeit: Antworten auf globale Herausforderungen und Unterstützung der Partnerländer
Der Bund hat rasch und unbürokratisch auf die weltweite Covid-19-Krise reagiert. So hat das EDA zur Bewältigung der Pandemie gezielte Anpassungen ihrer laufenden Programme vorgenommen.
Bundesrat Ignazio Cassis

Die humanitäre Tradition der Schweiz, ein wichtiger Pfeiler der Schweizer Aussenpolitik, ist in der gegenwärtigen Situation von besonderer Bedeutung. Um die Wirkung ihrer Aktion im Rahmen der Corona-Pandemie zu verstärken, baut die IZA auf die enge Verbindung («Nexus») zwischen der humanitären Soforthilfe und der mittel- und langfristigen Entwicklungszusammenarbeit auf. Die Kombination aller Einsatzgebiete der IZA ermöglicht es – gemeinsam mit den Partnern der Schweiz vor Ort – professionell und effizient Massnahmen umzusetzen, welche die betroffene Bevölkerung nachhaltig und langfristig erreichen.

Weltweite Unterstützung im Kampf gegen Covid-19

Im Zusammenhang mit der Covid-19 Pandemie hat die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) einen Beitrag von 101.42 Millionen CHF aus den bestehenden Budgets der Humanitären Hilfe, der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit und der globalen Zusammenarbeit bereitgestellt (verschiedene Beispiele siehe Tabelle). Konkrete Massnahmen in den Schwerpunktregionen konnte die Schweiz rasch umsetzen, weil sie durch ihre langjährige Präsenz bereits über solide Partnerschaften in den Schwerpunktländern verfügt.

Grafik mit der Aufteilung der Gelder nach Bereichen der DEZA.
Im Zusammenhang mit der Covid-19 Pandemie hat die DEZA einen Beitrag von 101.42 Millionen CHF aus den bestehenden Budgets bereitgestellt. © EDA

Beispiele der IZA-Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus weltweit

Land

Beitrag der Schweiz

Massnahmen

Umgesetzt von

Afghanistan

1 Mio. CHF

Stärkung der Widerstandsfähigkeit gegen Krisen und langfristige Sicherung der Ernährung

Partner vor Ort (World Food Programme WFP)

1.2 Mio. vorgesehen

Anpassungen an Covid-19 Massnahmen in der Grundbildung (Fernunterricht, etc.), entsprechend den Vorgaben des afghanischen Bildungsministerium

Partner vor Ort (Education Cannot Wait ECW)

Albanien

300’000 CHF

Unterstützung von Hausärzten durch Online-Trainings für die Patienten-Triage

Partner vor Ort (UNDP)

Bosnien und Herzegowina

190’000 CHF

Nothilfe für gefährdete Haushalte, um ihre wirtschaftliche Situation vor der Krise aufrecht zu erhalten

Stärkung von Gemeinden für die schnelle Reaktion auf Notfälle.

Partner vor Ort (Caritas Schweiz)

Kirgisistan

67'000 CHF

Stärkung der Ernährungssicherheit durch Unterstützung von Bauern mit Saatgut

Partner vor Ort (Helvetas)

200'000 CHF

Stärkung der Ernährungssicherheit durch Unterstützung von sozialen Einrichtungen

Partner vor Ort

Moldawien

 

 

770’000 CHF

Stärkung des Gesundheitssektors

Alternative Verkaufskanäle für KMU und Kleinbauern um Einkommen trotz wirtschaftlichem Einbruch zu generieren.

Partner vor Ort (UNDP, WHO)

Mongolei

35’000 CHF

Unterstützung von 750 Kinder mit Nahrungsmittel und Hygieneartikel zu versorgen.

People in Need

Nepal

5 Mio. CHF

Stärkung der nepalesischen Regierung leisten, um die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen auf die Bevölkerung abzufedern.

Zum Beispiel geordnete und sichere Rückkehr von Arbeitsmigranten, innerhalb des Berufsbildungsprojekts Erarbeitung von Richtlinien und Schutzmassnahmen für ein sicheres Arbeitsumfeld.

DEZA/Partner vor Ort

Serbien

200’000 CHF

Hilfe für Corona-Risikogruppen.

Aufrechterhaltung von Suppenküchen und Blutspenden

Medizinische Ausrüstung

Psychologische Unterstützung für isoliert lebende Menschen

Partner vor Ort (Serbisches Rotes Kreuz)

Tadschikistan

300'000 CHF

Trainings- und Sensibilisierungsmassnahmen im Gesundheitssektor für einen richtigen Umgang mit Covid-19 Infektionen

Partner vor Ort (Unicef, AGAH)

Tansania

500’000 CHF

Kredit für ein Covid-19 Screening System

Radio-Aufklärungskampagnen über die Gefahren des Coronavirus

Partner vor Ort

4 Mio. CHF vorgesehen

Über den TASAF-Fonds sollen 1,2 Millionen Haushalte finanziell unterstützt werden.

Partner vor Ort (TASAF)

Ukraine

 

150’000 CHF

Unterstützung von Gemeinden im Krisenmanagement durch Wissensaustausch im Bereich von Hygienemassnahmen und Umgang mit Risikogruppen

Partner vor Ort (Swiss TPH, MoH)

       

Gemeinsame globale Antwort

Die Schweiz ist auch auf multilateraler Ebene bei der weltweiten Bewältigung der Corona-Krise aktiv. Sie setzt sich für eine starke Antwort der Staatengemeinschaft auf die Pandemie ein. So hat der Bundesrat am 29. April 2020 entschieden, das die Schweiz sich mit 400 Millionen CHF an den internationalen Bemühungen zur Linderung der Auswirkungen der Covid-19-Pandemie, insbesondere in den Entwicklungsländern, beteiligt.

Die UNO, das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC), die G20 und andere Organisationen hatten Ende März zu finanzieller Unterstützung aufgerufen, um während der Krise handlungsfähig zu bleiben. Bis heute brauchen sie Mittel für zusätzliche Massnahmen, um die Ausbreitung des Virus zu bremsen und um die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Pandemie abzufedern. In einem ersten Schritt will der Bundesrat deshalb dem IKRK ein zinsloses Darlehen im Umfang von maximal 200 Millionen Franken gewähren. Dieses muss innerhalb von sieben Jahren zurückbezahlt werden.

Bereits Anfang Februar 2020 hatte die Schweiz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 300'000 CHF bereitgestellt, um Spitäler in Laos auf die Pandemie vorzubereiten. Lokale Organisationen und Spezialisten schulen das Gesundheitspersonal vor Ort darin, Covid-Infektionen zu diagnostizieren und Verdachtsfälle zu isolieren.

Das Personal eines Spitals in Laos steht mit Schutzmasken vor dem Eingang der Corona-Station.
Ein Projekt, das die Schweiz auf multilateraler Ebene finanziell unterstützt: Die WHO bereitet in Laos Spitäler auf die Ausbreitung des Coronavirus vor. © WHO

Am 2. April 2020 unterzeichneten alle ausser fünf UNO-Mitgliedstaaten eine UNO-Resolution für die Stärkung der globalen Solidarität im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie. Sie kam auf Mitinitiative der Schweiz zustande und ist ein wichtiges Bekenntnis der internationalen Gemeinschaft zu gemeinsamem Handeln gegen die Covid-19-Krise.

Die Humanitäre Hilfe liefert zudem Material in ausgewählte Länder. Am 8. April versandte sie 10'000 Schutzanzüge nach Italien. Weitere Hilfsgüter waren zuvor nach China, Nepal, Serbien und Griechenland geschickt worden. Die Verfügbarkeit der Güter für die Bekämpfung der Pandemie in der Schweiz bleibt derweil sichergestellt. Alle Lieferungen werden mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG), dem Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) und dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) geprüft.

Schweizer NGOs passen ihre Programme an

Auch Schweizer NGOs, die von der DEZA finanziell unterstützt werden und im Gesundheitsbereich tätig sind, passen ihre Aktivitäten den aktuellen Herausforderungen an. Dazu gehören:

  • Unterstützung der Gesundheitsministerien, der lokalen Spitäler und Gesundheitszentren durch Ausbildung und Schutzmassnahmen für das medizinische Personal
  • Verstärkung im sanitären und medizinischen Bereich in Flüchtlingslagern
  • Information der lokalen Bevölkerung über verschiedenste Medien zur Prävention
  • Schutz von Risikogruppen und psychologische Unterstützung von Betroffenen

Im Krisenfall ist die internationale Zusammenarbeit der Schweiz strategisch gut aufgestellt

Der gute Ruf der Schweiz im Ausland beruht unter anderem auf ihrer humanitären Tradition. Ihre aussenpolitische Strategie sieht vor, dass die Schweiz bei Krisen, in bewaffneten Konflikten und während Katastrophen Hilfsaufträge unparteiisch und solidarisch wahrnimmt. Die Bedürfnisse der Menschen stehen im Zentrum; ihre Sicherheit, ihre Würde und ihre Rechte sollen garantiert werden.

Die Strategie der internationalen Zusammenarbeit der Schweiz, die auf der aussenpolitischen Strategie basiert, legt mit Ausnahme der Klimafinanzierung keine fixe Verteilung der Mittel fest.  Dadurch ist es möglich, gezielt auf die aktuellen Herausforderungen in Entwicklungsländern zu reagieren.

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