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Jugend-Wettbewerb zur Agenda 2030: 60 neue Ideen für die nachhaltige Entwicklung

«Ich setze das Potential von Jugendlichen aus den Slums frei», erklärt Gianmarco Marinello, treibende Kraft professionell aufgezogener Stadtführungen in Nairobi. Am International Cooperation Forum Switzerland Ende März in Genf verleihen DEZA und SECO den Preis «Together we’re better» für Projekte wie dasjenige in Kenia. Die über 60 Vorhaben, Zeugnisse von Innovation und Ideenreichtum junger Menschen in der Entwicklungszusammenarbeit, beeindrucken.

Vier junge Männer auf einem Parkplatz in Nairobi.

Der Jugendpreis von DEZA und SECO zielt auf Projekte junger Menschen für die nachhaltige Entwicklung: Beispiel Stadtführungen in Nairobi durch Jugendliche aus den Slums. © Gianmarco Marinello

Statt auf Mentoren, die ausblieben, zu warten, wurde Gianmarco Marinello selbst zu einem – für seine jüngeren Kollegen. «Ich erkannte, dass dies meine Bestimmung war.» Mit «Nai Nami», übersetzt «Nairobi mit mir!», wendet er die dabei erworbenen Fähigkeiten konkret an: Er setzt in seinem Projekt, professionell aufgezogene Stadtführungen, das Potenzial von Jugendlichen frei. Diese hatten nie eine Chance, sich anders zu entwickeln als kriminell zu werden – wollten sie überleben. Nun haben sie eine legale Existenzgrundlage. 

Ich erkannte, dass dies meine Bestimmung war.
Gianmarco Marinello, Co-Founder Stadtführungen in Nairobi

Der innovative Jungunternehmer startete «Nai Nami» während eines Studienaufenthalts in Kenia. Sein Projekt funktioniert kommerziell selbsttragend: die Jugendlichen aus den Slums als «Service Provider» im Operationellen, er selbst als Ideengeber und treibende Kraft für die gesamte professionelle Infrastruktur im Hintergrund.

Gianmarco Marinello nahm mit seinem seit Jahren funktionierenden Projekt am ersten Jugend-Wettbewerb «Together we’re better» 2019 teil. «Nai Nami» ist ein Beispiel für Vorhaben, welche die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) mit dem Jugend- und Zukunftspreis «Together we’re better» suchen. Die zweite Preisverleihung findet am International Cooperation Forum Switzerland (IC-Forum) in Genf am 31. März und 1. April 2022 statt.

DEZA und SECO lancierten 2021 zum zweiten Mal den Jugend- und Zukunftspreis «Together we’re better». Über 60 Projekte gingen ein .

Die Agenda 2030 ist Hauptthema am IC-Forum. Die Schweiz will Jugendliche und junge Erwachsene verstärkt in die Entwicklungszusammenarbeit einbinden, den Dialog fördern sowie ihr Wissen und ihr Engagement im Sinne der Agenda 2030 schärfen. 

Von Wasserfiltern, Kleinstkraftwerken, Abbaubarem und Digitalisiertem

Eine junge Frau sägt auf einem Tisch im Freien an einem Wasserfilter. Zwei Frauen helfen ihr dabei. Mehrere Personen schauen zu.
Die Projekte für den Jugend-Preis «Together we’re better» drehen sich zum Beispiel um Wasserfilter, welche vor Ort herstellbar sind – inklusive nachhaltige Einbettung. © EDA

Seit Anfang März, einen Monat vor der Präsentation und Prämierung am IC-Forum, sind die eingereichten Projekte auf der Webseite von «Together we’re better» nun online. Junge Menschen haben über 60 Vorhaben eingereicht. Vier Preise in verschiedenen Kategorien stehen bereit. Das Preisgeld variiert von 4000 bis 12’000 Franken.

Gesucht und gefunden wurden zum zweiten Mal Projekte oder digitale Lösungen, die einen Beitrag zur Armutsbekämpfung leisten, die Lebensqualität der am meisten gefährdeten Menschen verbessern oder Umweltprobleme lindern.

Die eingereichten Vorhaben legen Zeugnis von Ideenreichtum und Innovationskraft ab. Die Themen reichen etwa von Vorschlägen zur Linderung von Plastikverschmutzung zu Abfallverwertung; von vor Ort herstellbaren Wasserfiltern inklusive nachhaltiger Einbettung zu Wasserkraftwerken aus Altmaterial; von sozialer Partizipation über digitalisierte Bildungsprogramme zu innovativen Formen von sozialer Arbeit.

Eine Vorgabe war nebst anderem, dass lokale Partner in die Projekte eingespannt sind. Und dass sich die Projekte an den Prioritäten der Bevölkerung vor Ort orientieren.

www.togetherwerebetter.ch

Stabsübergabe an die neue Generation

Neun Bildausschnitte zeigen engagierte junge Menschen – in Gruppen oder alleine – beim Präsentieren ihrer Projekte und im Gespräch.
Schon die erste Ausschreibung von «Together we're better» stiess auf engagiertes Echo: Präsentation der Siegerprojekte 2019. © EDA

Dass dem Engagement junger Menschen international noch mehr Resonanz zukommt, wünscht sich Barbara Hell, Projektleiterin des Jugend- und Zukunftspreises; und dass sich darüber hinaus der Austausch unter den Teilnehmenden sowie zwischen DEZA und SECO etabliert. Um diese Ziele zu erreichen, seien am IC Forum in Genf Arbeitssessions mit Fachpersonen geplant, an denen sich alle aktiv einbringen können.

Vorbereitende Workshops mit interessierten Teilnehmenden sollen zudem sicherstellen, dass die jungen engagierten Menschen vom IC Forum Switzerland selbst möglichst viel mitnehmen können. «Die DEZA soll den jungen Menschen mehr zuhören», sagt Barbara Hell. Im Idealfall könnten sie an Bord geholt werden, wenn es darum gehe, konkrete Lösungsvorschläge zu erarbeiten.

DEZA und SECO blicken zusammen mit den jungen Erwachsenen in die Zukunft, um zu verstehen, in welcher Art von Welt sie leben wollen.
Barbara Hell, Projektleiterin Jugend- und Zukunftspreis «Together we’re better»

Die Projektleiterin hofft ausserdem, dass sich die Teilnehmenden untereinander vernetzen und eine Community entsteht. Schliesslich gehe es auch um eine Stabsübergabe an die neue Generation: «DEZA und SECO blicken im Zuge des Wettbewerbs zusammen mit den jungen Erwachsenen in die Zukunft, um zu verstehen, in welcher Art von Welt sie leben wollen und wie dies zu erreichen ist.»

Die Verantwortung gemeinsam tragen

«Nai Nami» zeigt, dass der Weg zum Projekterfolg über gemeinsam gelebte Ownership geht: Das Unternehmen gehört allen, die darin aktiv sind. Alle tragen Verantwortung. Jeder und jede rekrutiert zum Beispiel künftige Kolleginnen und Kollegen. Die ehemaligen Strassenkinder der Slums von Nairobi bieten einen Service mit kommerziellem Business-Modell an, der finanziell selbsttragend ist. 

Wie ordnet sich die Agenda 2030 in die aussenpolitischen Strategien des EDA ein?

Die 17 Ziele der Agenda 2030 (UN Sustainable Development Goals, SDGs) nehmen in der Aussenpolitische Strategie 2020–2023 und der Strategie zur internationalen Zusammenarbeit 2021–2024 der Schweiz eine wichtige Stellung ein. Indem das EDA seine strategischen Ziele verfolgt, treibt es die Ziele der Agenda 2030 voran.

Die Agenda 2030 ist ein global geltender Orientierungsrahmen für die nationalen und internationalen Bemühungen, die grossen Herausforderungen der Welt gemeinsam zu lösen. Es geht dabei unter anderem um Armut, Klimawandel, Umweltzerstörung, Gesundheitskrisen.