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auswärtige Angelegenheiten EDA

Erstes «Pop-up House of Switzerland» in Stuttgart: ja, aber weshalb?

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte präsentiert sich die Schweiz mit einem Pop-up House of Switzerland im Nachbarland Deutschland. Vom 1. Juli bis zum 31. Oktober 2021 bietet sie auf knapp 2000 Quadratmetern Fläche im Firnhaber-Gebäude in der Stuttgarter Innenstadt einen Ort für direkte Begegnungen zwischen der Schweiz und Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Politik. Der Schweizer Botschafter in Berlin, Paul Seger, erklärt die Hintergründe.

01.07.2021
EDA

Vom 1. Juli an soll das erste Pop-Up House of Switzerland in Stuttgart die Schweiz und viele Aspekte des Landes bekannter machen. © House of Switzerland

Obschon die Olympischen Spiele nicht in Stuttgart stattfinden, feiert das Pop-up House of Switzerland hier Premiere. In der Hauptstadt von Baden-Württemberg testet die Schweiz ein Format, das sie bisher nur bei internationalen Grossveranstaltungen eingesetzt hat: Ohne Grossereignis mit entsprechendem Publikumsaufkommen öffnet ein Schweizer Pavillon seine Türen in einer Region, mit der die Schweiz eine enge wirtschaftliche, kulturelle und politische Zusammenarbeit pflegt.

Das Pop-up House, das am 1. Juli 2021 in Stuttgart lanciert wird, soll die Beziehungen zu den Nachbarländern fördern und die Position der Schweiz als verlässliche Partnerin in den Bereichen Innovation und Kooperation stärken. Die temporäre Plattform bietet Gelegenheit, die Sichtbarkeit der Schweizer Hightech-Branche zu erhöhen und hartnäckige Klischees zu durchbrechen.   

Das erste Pop-Up Haus der Schweiz wurde am 1. Juli in Stuttgart eröffnet und wird dort vier Monate zugänglich sein.

Stuttgart, erste Station einer längeren Roadshow

Das neue Instrument für das Landesmarketing, organisiert von Präsenz Schweiz in Zusammenarbeit mit den Partnern Schweiz Tourismus und Switzerland Global Enterprise (S-GE), soll während vier Monaten temporäre Kommunikationsaktivitäten zwischen zwei Regionen unterstützen, die ihre Beziehungen festigen möchten. Beim Auftakt in Stuttgart geht es darum, das Image der Schweiz zu stärken und neue Kooperationen mit Baden-Württemberg, einer der wichtigsten Nachbarregionen der Schweiz, zu fördern. Bis zum 31. Oktober 2021 wird Stuttgart so zu einem Ort der direkten Begegnung zwischen der Schweiz und regionalen Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Politik.

Insgesamt werden rund 100 Fachveranstaltungen zu gemeinsamen Themen, insbesondere in den Bereichen Innovation und Nachhaltigkeit, durchgeführt. Die Kommunikationsaktion ist längerfristig angelegt: Nach der Premiere in Stuttgart, der Hauptstadt der wirtschaftlich wichtigsten Nachbarregion der Schweiz, sind Auftritte des Pop-up House of Switzerland in weiteren Städten, unter anderem in Italien und Frankreich, geplant. Stuttgart ist somit die erste Station einer langen Roadshow.

Fünf Fragen an Paul Seger, Schweizer Botschafter in Berlin

Botschafter Dr. Paul R. Seger
Botschafter Dr. Paul R. Seger © Keystone

Herr Seger, warum haben Sie Stuttgart für die Premiere des Pop-Up House of Switzerland gewählt?

Wir haben verschiedene deutsche Städte als Standort geprüft, aber uns schliesslich aus zwei Gründen für Stuttgart entschieden: Erstens ist das Bundesland Baden-Württemberg mit Abstand der wichtigste Wirtschaftspartner der Schweiz; zudem steht es uns geografisch und kulturell sehr nah. Zweitens kennt man die Schweiz in Stuttgart bereits besser als anderswo in Deutschland, was den Einstieg für ein solches Pilotprojekt erleichtert.

Welches sind die Besonderheiten des Pop-Up House of Switzerland?

Pop-up House ist eine ideale Plattform, um die innovativen, kreativen und vielleicht auch überraschenden Seiten der Schweiz vorzustellen. Gleichzeitig ist es ein Ort der Begegnung und des Austauschs, um mit unseren Freunden in Baden-Württemberg über Gemeinsamkeiten, Kooperationsmodelle und Zukunftsperspektiven zu sprechen. Gerade in der unmittelbaren Nachbarschaft betreffen uns Fragen wie Urbanität, Mobilität oder Nachhaltigkeit gleichermassen. Ein Hauptaugenmerk wird auch auf der Redynamisierung und Vertiefung der Wirtschaftsbeziehungen mit unserem wichtigsten Handelspartner nach der Coronakrise liegen. Mit einem Mix von Ausstellungen, Paneldiskussionen und Präsentationen, aber auch mit Spiel, Unterhaltung und Kulinarik wollen wir sowohl ein interessiertes Fachpublikum wie auch die breite Öffentlichkeit ansprechen. Über die Dauer von vier Monaten sind über 100 Veranstaltungen geplant.

Das Pop-Up House of Switzerland macht vorübergehend in Stuttgart Station. Könnte daraus ein dauerhafter Begegnungsort entstehen?

Wie der Name bereits sagt, handelt es sich beim Pop-Up-House um ein zeitlich begrenztes Projekt, dessen Charme gerade darin liegt, dass es nicht permanent ist und zum Experimentieren einlädt. Ein dauerhaftes « House of Switzerland » wäre zwar eine Überlegung wert, aber wir denken eher in Richtung einer «Road Show», wo wir das «Pop-up House» an anderen Standorten zeigen, falls der Pilotversuch in Stuttgart erfolgreich ist.

Wenn die Coronavirus-Krise bei all ihren Schattenseiten etwas Positives hervorgebracht hat, dann die Erkenntnis, wie eng wir über die Grenzen hinweg zusammengewachsen sind.

Wie sollen die Beziehungen der Schweiz zu Baden-Württemberg künftig ausgestaltet werden?

Die deutsch-schweizerische Grenzregion zwischen Bodensee und Rheinknie bildet einen gemeinsamen Wirtschafts- und Lebensraum für rund fünf Millionen Menschen, der punkto Vernetzung, Wirtschaftskraft, Innovation und Dynamik eine Spitzenposition in Europa einnimmt. Die Schweiz zeigt mit dieser Pop-Up-Präsenz nach den pandemiebedingten Einschränkungen, dass sie eine verlässliche und solidarische Partnerin ist und bleibt. Wenn die Coronavirus-Krise bei all ihren Schattenseiten etwas Positives hervorgebracht hat, dann die Erkenntnis, wie eng wir über die Grenzen hinweg zusammengewachsen sind. Die vorübergehende Trennung hat uns vor Augen geführt, wie wertvoll der vormals so selbstverständliche Kontakt zum Nachbarn ist. Die Freude über das gegenseitige Wiedersehen bietet eine gute Gelegenheit, um einen Anschub für die Vertiefung der Beziehungen zu leisten. Gerade in der jetzigen Situation ist das regelmässige Gespräch wichtiger denn je, nicht zuletzt vor dem aktuellen europapolitischen Hintergrund. Wir haben daher schon vor ein paar Monaten Deutschland die Errichtung einer grenzüberschreitenden Dialogplattform zum gegenseitigen Austausch und der Aussprache über grenznachbarliche Fragen vorgeschlagen. Diese dient nicht nur zur Diskussion bestehender Baustellen oder Hindernisse, sondern die Plattform soll auch als Forum für Projekte genutzt werden, welche das Gemeinschaftsgefühl über die Landesgrenze hinweg stärken und konkrete Verbesserungen im grenznachbarlichen Alltag anstossen bzw. voranbringen.

Mit dem « Pop-up House » wollen wir die innovativen, originellen und nachhaltigen Seiten der Schweiz zeigen und beim Publikum «Aha»-Effekte auslösen.

Kennen die Deutschen die Vielfalt der Schweiz oder müsste ihnen diese vermehrt näher gebracht werden?

Das Bild der Schweiz in Deutschland ist generell positiv, aber klischeebehaftet. Man assoziiert uns mit Käse, Schokolade, Uhren und Sackmesser. Aber die Innovationskraft der Schweiz und ihre Bedeutung als Wissenschafts- und Technologiestandort sind kaum bekannt. Mit dem « Pop-up House » wollen wir die innovativen, originellen und nachhaltigen Seiten der Schweiz zeigen und beim Publikum «Aha»-Effekte auslösen. Wir arbeiten daher mit einer breiten Palette von Partnern zusammen. Allen voran mit Switzerland Global Enteprise (SG-E), Schweiz Tourismus, aber auch mit Kantonen, Städten, Forschungsinstitutionen, Verbänden und Unternehmen. Aber auch eine Vielzahl deutscher Partner ist aktiv in unsere Veranstaltungen involviert, denn es geht uns nicht nur darum, neue und überraschende Aspekte einer innovativen und nachhaltigen Schweiz zu zeigen, sondern auch mit unserem Nachbar in den Dialog zu treten und Erfahrungen auszutauschen.

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