Eidgenössisches Departement für
auswärtige Angelegenheiten EDA

Im Einsatz für den Frieden am anderen Ende der Welt

Derzeit sind weltweit über 150 Schweizer Expertinnen und Experten für den Frieden im Einsatz. Rund 15 Schweizer Polizistinnen und Polizisten arbeiten für internationale Sicherheitsmissionen in Ländern mit prekärer Sicherheitslage und Staaten, die sich im Wiederaufbau befinden. Gegenwärtig sind sie in Mali, in der Demokratischen Republik Kongo (DRK) und in Somalia im Einsatz.

 Personen laufen zu einem Helikopter, der im Zentrum Malis gelandet ist.

Untersuchungsmission im Zentrum Malis. © MINUSMA/Harandane Dicko

Jennifer, Michel, Angela, Yvana, Leila, Laurent und Claudio sind Polizistinnen und Polizisten, die sich dafür entschieden haben, vorübergehend eine andere Uniform anzuziehen und sich im Ausland zu engagieren. Sie wurden vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) ausgewählt und gehören dem Schweizerischen Expertenpool für zivile Friedensförderung an. Die meisten von ihnen werden von ihren Polizeikorps für eine befristete Zeit zur Verfügung gestellt. Nun arbeiten sie als Polizeiexpertinnen und Polizeiexperten bei der UNO in Mali (MINUSMA), in Somalia (UNSOM) und in der Demokratischen Republik Kongo (MONUSCO).

Die vor Ort «Peacebuilder» (Friedenshelfer) genannten Frauen und Männer tragen während ihrer Mission die blaue Mütze oder den blauen Helm der UNO.

Wie sieht ihr Alltag aus?

 Eine Schweizer Polizistin steht vor einem Flugzeug in Mali.
Vor dem Abflug zu Ermittlungen im Norden Malis. © EDA

Auch am anderen Ende der Welt stehen sie im Dienst der Bevölkerung und schützen diese. Sie unterstützen die Einsatzländer und geben ihr Fachwissen an die lokalen Polizeikräfte weiter. Ihr gemeinsames Ziel ist es, den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu fördern.

Die Zuständigkeiten variieren je nach ihren spezifischen Aufgaben: Weiterbildung für lokale Polizeikräfte, Durchführung von Ermittlungen, Prävention und Feststellung von Straftaten, Schutz von Eigentum und Personen durch Präsenz in den Gemeinschaften. Und immer geht es darum, die Einhaltung der Menschenrechte zu gewährleisten.

«Ich heisse Jennifer, bin 33 Jahre alt und arbeite bei der Waadtländer Polizei. Dies ist meine erste UNO-Mission. Ich bin in Bamako, Mali, für die MINUSMA im Einsatz. Ich gehöre zum internen Ermittlungsteam der Polizeikomponente. Wir untersuchen alles, was mit UNO-Polizisten zu tun hat, etwa ordnungswidriges Verhalten oder Fälle, bei denen UNO-Polizisten in Angriffe oder Vorfälle verwickelt oder Opfer davon sind.»

Beitrag zum Weltfrieden und zur internationalen Sicherheit

 UNO-Polizisten auf Patrouille vor der Grossen Moschee von Djenné, Mali.
Laurent (2. von links) bei einer Patrouille in Djenné während seiner letzten Mission in Mali, 2018. © EDA

Die UNO verfügt über keine eigene Polizei. Die Friedenspolizisten sind Mitglieder der Polizeikräfte der Mitgliedstaaten, auch der Schweiz. Jeden Tag nehmen etwa 9000 Polizistinnen und Polizisten an internationalen Friedensoperationen teil. Die Schweiz entsendet pro Jahr rund 15 Polizeiexpertinnen und -experten.

Mit ihren Friedenssicherungseinsätzen hilft die UNO konfliktbetroffenen Staaten, die Voraussetzungen für einen dauerhaften Frieden zu schaffen. Gegenwärtig ist die UNO in Afrika, im Nahen und Mittleren Osten, in Zentralasien und in Osteuropa mit Missionen präsent.

«Ich heisse Laurent. Dies ist meine fünfte internationale Mission. Ich war schon viermal für die UNO im Einsatz. Von den letzten zehn Jahren habe ich sieben in Afrika verbracht, in Côte d’Ivoire: in der DRK, im Kongo und in Mali. Nun bin ich wieder in der DRK, wo ich als Bereichsleiter im Osten der DRK im Einsatz bin. Ich bin verantwortlich für rund fünfzig internationale Expertinnen und Experten sowie eine Kompanie, die uns bei unseren Patrouillen begleitet.

Wertvoll für die Schweiz

 Ein UNO-Polizist am Steuer eines weissen Autos mit der Aufschrift «UN».
Michel im Hauptquartier der MINUSMA in Bamako, Mail. © EDA

Multilaterale Friedenssicherungseinsätze sind ein wirksames Instrument zur friedlichen Beilegung von Konflikten in der Welt. Die Friedensförderung ist in der Schweizer Bundesverfassung verankert und gehört zu den Schwerpunkten der schweizerischen Aussenpolitik. Mit dem Slogan «A plus for peace» kandidiert die Schweiz für einen Sitz im UNO-Sicherheitsrat 2023–2024. Die Förderung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit dient auch der Wahrung der Interessen der Schweiz, ihrer Unabhängigkeit, ihres Wohlstandes und ihrer Sicherheit.

«Ich heisse Michel und bin 47 Jahre alt. Dies ist meine erste internationale Mission. Ich bin für die MINUSMA in Mali im Einsatz. In der Schweiz arbeite ich als Inspektor bei der Kriminalpolizei Lausanne. Das Friedensengagement ausserhalb unserer Landesgrenzen, in Krisenländern, trägt auch zur Erhaltung des Friedens in unserem eigenen Land bei.»

Beweggründe für ein Auslandsengagement

 Eine uniformierte Polizistin mit Maske steht inmitten einer Gruppe von Frauen und Kindern  in einem malischen Dorf in der Region Mopti.
Yvana bei einer bürgernahen Patrouille in der Region Mopti, Mali. © EDA

Die Lage vor Ort ist oft angespannt und das tägliche Leben nicht immer einfach. Die Schweizer Friedensexpertinnen und -experten werden aufgrund ihrer soliden Erfahrung und ihrer spezifischen persönlichen Fähigkeiten ausgewählt.

Der Schweizerische Expertenpool für zivile Friedensförderung rekrutiert derzeit Expertinnen und Experten für künftige Einsätze.

«Ich heisse Yvana und bin 38 Jahre alt. Dies ist meine erste Mission. Ich arbeite für die MINUSMA. Mein wichtigster Beweggrund ist die Möglichkeit, mein berufliches Wissen mit der lokalen Polizei und anderen Partnern zu teilen und mit Frauen und Männern aus verschiedenen Ländern und Kulturen zusammenzuarbeiten.»

Frauen und Männer im Feld

 Foto von Leila in Polizeiuniform.
Leila © Tamedia Publications romandes/Corinne Sporrer

Derzeit sind fast so viele Frauen wie Männer als Schweizer Polizeiexperten im Einsatz. Die weiblichen Blauhelme haben dieselben Aufgaben wie die Männer. In manchen Situationen können sie die Wirksamkeit einer Operation erhöhen.

Die 34-jährige Leila, die der Police Régionale des Villes du Centre (Sion/Sierre) angehört und gegenwärtig für die MINUSMA im Einsatz ist, meint dazu: «Die Weitergabe unseres Fachwissens und unser Engagement zur Unterstützung, Ausbildung und Begleitung der Polizeikräfte vor Ort sind nach wie vor ein eindeutiger Mehrwert. Als Frauen bringen wir in bestimmten Situationen im Feld einfach eine andere Sensibilität mit.»

Anerkannte Professionalität und Mehrwert nach der Rückkehr

 Eine Polizistin mit Helm und Walkie-Talkie sitzt in einem gepanzerten Fahrzeug.
Angela in einem gepanzerten Fahrzeug, Somalia. © EDA

Der Föderalismus, die Neutralität und die Professionalität der Schweiz werden sehr geschätzt. Dies gilt insbesondere in Somalia, wo die Dezentralisierung der Polizeikräfte ein wichtiges Thema ist.

Die Polizistinnen und Polizisten, die Auslandseinsätze geleistet haben, sind sich einig in ihrem Urteil: Der Aufenthalt in einem Kontext, der sich stark von demjenigen der Schweiz unterscheidet, ist eine einzigartige Erfahrung. Unschätzbar sind aber auch die dabei erworbenen sozialen Kompetenzen. Respekt für unterschiedliche Kulturen, Offenheit und Toleranz, Anpassungsfähigkeit, Aufgeschlossenheit für innovative Lösungen und die Fähigkeit, in multiethnischen Teams zusammenzuarbeiten, sind auch nach der Rückkehr in das Schweizer Polizeikorps von Nutzen für die nationale Sicherheit.

Angela, 52 Jahre alt: «Ich arbeite seit Juni 2019 als Polizeiberaterin bei der UNO in Somalia (UNSOM). Davor war ich in Georgien und im Kosovo. Meiner Meinung nach sind die Grundwerte der Schweiz – Integrität, Professionalität und Achtung der kulturellen Vielfalt – eine ideale Voraussetzung für einen Einsatz in der Friedensförderung.»

 Polizisten diskutieren an einem Tisch.
Claudio im Gespräch mit seinen Kollegen vor Ort © EDA

«Ich heisse Claudio und bin 55 Jahre alt. Dies ist meine zweite UNO-Mission. Hier in der DRK arbeite ich als Verbindungsbeamter beim Mission Support Center (MSC) in Goma. Mein beruflicher Hintergrund sind die Militärpolizei und der Grenzschutz. Schweizer Mitarbeitende können der UNO viel geben. Wir verfügen über hervorragende Ausbildungsstandards und Arbeitsgrundsätze. Ich kann wirklich sagen, dass wir ein Vorbild für alle Polizeibediensteten in UNO-Missionen sind.»

Schweizerischer Expertenpool für zivile Friedensförderung

  • Gegründet im Jahr 2000
  • Friedenspolitisches Instrument der Schweiz 
  • Entsendung von rund 200 Expertinnen und Experten pro Jahr 
  • Einsätze: hauptsächlich UNO, Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und Europäische Union 
  • Funktionen: Polizeiexperten, Wahlbeobachter, thematische Sachverständige 
  • Einsatzorte: am Sitz der Organisationen oder im Feld 
  • Ziel: Beitrag zum Weltfrieden und zur internationalen Sicherheit
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