Eidgenössisches Departement für
auswärtige Angelegenheiten EDA

Eine Million Franken zur Linderung der anhaltenden Krise

Um die verheerende Dürre im Süden Madagaskars zu bekämpfen, stellt die Humanitäre Hilfe der Schweiz 1 Million CHF zur Verfügung. Sie reagiert damit auf einen Appell der madagassischen Behörden. Eine halbe Million geht an das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP), die verbleibenden 500'000 CHF an ein bilaterales Projekt mit einer Hilfsorganisation im Bereich Wasserversorgung, Abwasserentsorgung und Hygiene.

11.02.2021
Das Bild zeigt Frauen, Kinder und einen bewaffneten Mann, die sich um einen Kessel mit dreckigem Wasser scharen.

Langanhaltende Dürre in Madagaskar: Frauen und Mädchen laufen manchmal acht Stunden, um an Wasser von zweifelhafter Qualität zu kommen. © EDA

Um die verheerende Situation in den Dürre-Regionen Madagaskars zu lindern, reagiert die Schweiz auf den Apell der madagassischen Behörden und spricht 1 Million CHF für die Unterstützung der Menschen in Not. Davon geht die Hälfte ans Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP); mit der verbleibenden halben Million Franken unterstützt die Humanitäre Hilfe der Schweiz ein bilaterales Projekt mit einer Hilfsorganisation im Bereich Wasserversorgung, Abwasserentsorgung und Hygiene (WASH).

Schweizer Botschafter in Madagaskar trifft sich mit lokalen Behörden

Die Presse ist beim Treffen zwischen Botschafter Sarott Chasper (links) und dem madagassischen Aussenminister Djacoba Tehindrazanarivelo (rechts) dabei. © EDA

Chasper Sarott, Schweizer Botschafter für Madagaskar, Komoren und Seychellen, traf am 11. Februar 2021 in der Schweizer Botschaft in Antananarivo den madagassischen Aussenminister Djacoba Tehindrazanarivelo. Das Treffen folgte auf die Ankündigung der Schweiz hin, humanitäre Aktivitäten in Madagaskar zu unterstützen, um die Auswirkungen einer schweren Dürre zu bekämpfen.

«Diese Woche habe ich mich mit drei Ministern und dem Präsidenten des Senats von Madagaskar getroffen, um die Unterstützung der Schweiz anzukündigen. Dieser Akt der Solidarität ist willkommen. Der Beitrag ist wichtig, weil er der erste eines bilateralen Partners ist, der auf den internationalen Hilferuf reagiert. Die Unterstützung der Schweiz trägt zu einem positiven Image der Schweiz in Madagaskar bei», erklärte der Schweizer Diplomat am Ende des Treffens.

Der Süden Madagaskars erlebt seit 2014 nahezu im Jahrestakt Dürrekatastrophen mit entweder ganz ausbleibenden Regenzeiten oder stark beeinträchtigten Ernten. Die küstennahen Hochplateaus haben bis heute zum Teil mehrere Jahre in Folge keine Niederschläge verzeichnet. Obwohl 2019 die Regenzeit mancherorts bereits im frühen Herbst einsetzte, waren die Niederschläge lokal sehr sporadisch und für eine gute Ernte zu unregelmässig. Grundwasserreserven konnten sich kaum erholen und der von der Landwirtschaft und Viehzucht abhängigen Bevölkerung gelang es nicht, die notwendigen Vorräte anzulegen. Von Dezember 2019 bis heute blieb praktisch der gesamte Süden ohne Niederschläge. 

Im Süden Madagaskars ist eine wenig beachtete chronische und akute humanitäre Krise im Gang.
Chasper Sarott, Schweizer Botschafter in Antananarivo

Die Dürrejahre haben Madagaskar zugesetzt. Dazu kommt die Corona-Pandemie, die als Katalysator in der Krisensituation wirkt. Es handelt sich laut Einschätzung des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) um die schwerste Dürre der letzten zehn Jahre. Die Nahrungsmittel werden immer knapper – insbesondere in den südlichen und südwestlichen Regionen des Landes. Um zu überleben, ernähren sich Familien in besonders stark betroffenen Regionen von Tamarindenfrüchten, die sie mit Lehm vermischen, da es sonst nichts Essbares mehr gibt. Selbst die sehr trockenresistenten Opuntien (Kakteen), welche auch als Notnahrung dienen, reagierten bereits im Februar 2020 mit Notreife oder Vertrocknung der Früchte.

Ich habe Regionen besucht, wo es mehrere Jahre lang nie geregnet hat …
Chasper Sarott, Schweizer Botschafter in Antananarivo

Die einschneidende Ernährungsunsicherheit wird zwischen Januar und Mai 2021 schätzungsweise 1,35 Millionen Menschen treffen. Das sind etwa 35% der gesamten Bevölkerung in den betroffenen Regionen im Süden Landes, die humanitäre Hilfe benötigen. Rund 135’000 Kinder unter fünf Jahren leiden an akuter wie auch chronischer Unterernährung. Da man sich mit kontaminiertem Wasser aus offenen Erdlöchern versorgt, grassieren Diarrhöe, umweltbedingte Enteropathie, Parasitose und Anämie. Eine Untersuchung hat ergeben, dass drei von vier Kindern die Schule abgebrochen haben, um ihren Eltern bei der Nahrungssuche zu helfen.

Humanitäre Hilfe der Schweiz

Die Humanitäre Hilfe des Bundes setzt sich vor, während und nach Konflikten, Krisen und Naturkatastrophen für die Interessen von schutzbedürftigen Menschen ein. Dabei konzentriert sie sich auf folgende Bereiche: Wiederaufbau und Rehabilitation der betroffenen Gebiete, Katastrophenvorsorge, Schutz von verletzlichen Personen und Nothilfe. Die Humanitäre Hilfe gehört zur Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und ist Teil des eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA).

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