Bilaterale Beziehungen Schweiz–Portugal

Die Beziehungen zwischen der Schweiz und der Portugiesischen Republik sind traditionell gut und gekennzeichnet von gegenseitiger Sympathie. Ein wichtiges Element ist der soziale Austausch, bedingt durch die grosse Zahl portugiesischer Staatsangehöriger in der Schweiz. Umgekehrt ist Portugal für Schweizerinnen und Schweizer ein beliebtes Ferienziel.

Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen

Die bilateralen Beziehungen der beiden Länder sind traditionsreich, nicht zuletzt aufgrund der rund 270’000 Portugiesinnen und Portugiesen, die in der Schweiz leben. Die portugiesische Gemeinschaft stellt damit die drittgrösste Ausländergruppe in der Schweiz dar.

Die Schweiz und Portugal arbeiten auf multilateraler Ebene vor allem im Rahmen der UNO zusammen. Insbesondere im UN-Sicherheitsrat ist Portugal ein wichtiger Partner der Schweiz. Das Land hat sich während seiner Zeit als nicht-ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats der Reform der Arbeitsmethoden angenommen.

Datenbank Staatsverträge

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Das Handelsvolumen betrug 2016 rund 1,7 Milliarden CHF, womit die Schweiz den 10. Rang unter den wichtigsten Handelspartnern Portugals belegte. Dabei exportiert die Schweiz in erster Linie pharmazeutische Produkte, Präzisionsinstrumente, Uhren und Bijouterie sowie Maschinen und Apparate nach Portugal, während sie von dort hauptsächlich Fahrzeuge, Textilien, Bekleidung und Schuhe sowie landwirtschaftliche Forst- und Fischereiprodukte einführt.

Mit dem Inkrafttreten des Änderungsprotokolls im Oktober 2013 wurde das Doppelbesteuerungsabkommen von 1974 aktualisiert.

Eine schweizerisch-portugiesische Industrie- und Handelskammer befindet sich seit Ende der 80er Jahre in Lissabon; das portugiesische Pendant (Agência para o Investimento e Comércio Externo de Portugal, AICEP) befindet sich im portugiesischen Generalkonsulat in Bern.

Schweizerisch-Portugiesische Handels- und Industriekammer CCISP (en)

Handelsförderung, Switzerland Global Enterprise

Länderinformationen, Staatssekretariat für Wirtschaft SECO

Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation

Das Instituto Superior Técnico in Lissabon (IST) und die Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne (ETHL) führen ein gemeinsames Doktoratsprogramm in den Bereichen Robotik und Hydraulik. Architektur ist bei der Zusammenarbeit der beiden Länder ein wichtiger Bereich. Es bestehen zahlreiche Austauschprogramme für Lehrkräfte und Studierende, namentlich zwischen der Fakultät für Architektur der Universität Porto und der Architekturakademie in Mendrisio. Seit 2016 gibt es ein Protokoll zwischen den portugiesischen Tourismusschulen und der Swiss Education Group (SEG), dank dem Studierende aus Portugal in Schulen, die der SEG angeschlossen sind, direkt ins zweite Jahr von den angebotenen Programmen eintreten können.

Forschende und Kulturschaffende aus Portugal können sich beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) um Bundes-Exzellenz-Stipendien bewerben.

Bundes-Exzellenz-Stipendien für ausländische Forschende und Kunstschaffende, SBFI

Kulturaustausch

Schweizer Beiträge zum Kulturleben Lissabons und Portos erfolgen zum Teil in direkter Zusammenarbeit mit der Calouste Gulbenkian-Stiftung, bzw. der Stiftung Serralves, während an den Veranstaltungen ausserhalb dieser Kulturhochburgen meist Pro Helvetia und/oder die Botschaft beteiligt sind.

Schweizerinnen und Schweizer in Portugal

Ende 2016 lebten gemäss Auslandschweizerstatistik 3723 Schweizer und Schweizerinnen in Portugal.

Auslandschweizerstatistik, EDA

Geschichte der bilateralen Beziehungen

Die portugiesische Regierung anerkannte 1815 die Neutralität der Schweiz. Aus dieser Zeit stammen die konsularischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern, auch wenn das erste entsprechende Abkommen erst 1883 unterzeichnet wurde.

1817 eröffnete die Schweiz in Lissabon ein Konsulat, das 1874 in ein Generalkonsulat umgewandelt wurde. Eine diplomatische Kanzlei der Schweiz in der portugiesischen Hauptstadt folgte 1936; sie wurde 1945 zur Legation, und 1959 zur Botschaft aufgewertet. Portugal richtete das erste Konsulat in der Schweiz 1855 in Genf ein. Von 1892 an bestand in Bern eine portugiesische Legation, die 1959 durch eine Botschaft abgelöst wurde.

Die Zugehörigkeit beider Länder zur European Free Trade Association (EFTA) förderte 1960–1985 die zwischenstaatlichen Beziehungen. 1963–75 vertrat der Bund die portugiesischen Interessen in Senegal.

Ab 1977 vertieften sich die gegenseitigen Besuche. 2003 reisten Bundespräsident Pascal Couchepin, 2004 und 2006 Bundesrat Samuel Schmid und 2007 Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey zu den portugiesischen Amtskollegen. Am 17./18. Oktober 2016 weilte Präsident Marcelo Rebelo de Sousa für einen Staatsbesuch in der Schweiz.

Portugal, Historisches Lexikon der Schweiz