Gültig am:
Publiziert am: 09.07.2018

Die Lagebeschreibung ist aktualisiert worden.


Reisehinweise für Haiti

Diese Reisehinweise entsprechen der aktuellen Lagebeurteilung des EDA. Sie werden laufend überprüft und bei Bedarf angepasst.
Beachten Sie auch die nebenstehenden länderunabhängigen Reiseinformationen und die Fokus-Themen; sie sind Bestandteil dieser Reisehinweise.

Grundsätzliche Einschätzung

Von touristischen und anderen nicht dringenden Reisen nach Haiti wird abgeraten, einschliesslich individueller humanitärer Reisen ohne lokale Verbindungspersonen.

Die öffentlichen Institutionen sind unzureichend. Die Sicherheitslage ist prekär und unberechenbar; die Zahl von Gewaltverbrechen ist hoch. Es kann nicht immer mit der Unterstützung durch die Polizei gerechnet werden.

Die politischen und sozialen Spannungen können jederzeit zu gewalttätigen Demonstrationen, Plünderungen, Strassenblockaden und Streiks führen. Zum Beispiel starben im Oktober 2015 über ein Dutzend Personen, als politisch motivierte Demonstrationen in Cité Soleil (Port-au-Prince) in Gewalt ausarteten. Am 6. Juli 2018 sind im ganzen Land erneut gewaltsame Unruhen ausgebrochen, die mehrere Todesopfer und Verletzte gefordert haben. Strassenblockaden wurden errichtet und es kam zu Plünderungen; auch von Hotels und Privathäusern.

Im Falle von Strassenblockaden und Streiks bleibt den Reisenden nichts anderes übrig, als sich lokal über alternative Reisemöglichkeiten zu erkundigen und gegebenenfalls die Normalisierung der Lage abzuwarten. Die Schweizer Botschaft in Port-au-Prince hat bei Blockaden nur eng begrenzte - je nach Situation gar keine - Möglichkeiten zur Unterstützung der Ausreise aus den betroffenen Regionen.

Generell muss vor und während Wahlen sowie unmittelbar nach Bekanntgabe von Wahlresultaten landesweit mit Demonstrationen und anderen Zwischenfällen gerechnet werden, welche den Verkehr beeinträchtigen könnten. Gewalttätige Zusammenstösse mit den Sicherheitskräften können dabei nicht ausgeschlossen werden.

Falls Sie aus zwingenden Gründen nach Haiti reisen müssen, beachten Sie bitte die nachstehenden Hinweise und lassen grösste Vorsicht walten. Informieren Sie sich vor und während der Reise in den Medien über die Entwicklung der Lage. Meiden Sie grosse Menschenansammlungen und Kundgebungen jeder Art, denn diese können in gewaltsame Ausschreitungen ausarten. Befolgen Sie die Anweisungen der lokalen Behörden. Auskunft über die Flugverbindungen erteilen die Fluggesellschaften.

Kriminalität

Die Kriminalitätsrate ist sehr hoch. Bewaffnete Überfälle (auch mit Todesfolge), Auto- und andere Diebstähle sowie Einbrüche kommen im ganzen Land und zu jeder Tageszeit vor. Zum Beispiel wurden im Juni 2016 bei Raubüberfällen ein ausländischer Staatsbürger erschossen und ein anderer verletzt. Im gleichen Monat wurde ein bewaffneter Überfall auf ein von Ausländern frequentiertes Hotel verübt.
Es kommt vor, dass Überfälle durch Personen in Polizeiuniformen verübt werden. Die Zahl der Mordfälle in den Elends- und Armenvierteln von Port-au-Prince nimmt zu.

Trotz einer rückgängigen Anzahl von Entführungen kommen Entführungen zwecks Lösegelderpressung vor, oft mit Gewaltanwendung. Sie können sich auch gegen Ausländer richten. In der Gegend um den internationalen Flughafen von Port-au-Prince ist eine Zunahme von Überfällen auf Ausländer (auch haitianischen Ursprungs) zu verzeichnen.
Beachten Sie unter anderem folgende Vorsichtsmassnahmen:

  • Lassen Sie Ihren Aufenthalt von einer ortskundigen Vertrauensperson organisieren und halten Sie sich strikt an deren Ratschläge und Anweisungen.
  • Tragen Sie keine Wertgegenstände (Uhren Schmuck, teure Kameras etc) auf sich.
  • Reisen Sie wenn möglich in Gruppen und ausschliesslich tagsüber. Selbst in den Städten ist es nicht ratsam, alleine unterwegs zu sein.
  • Verzichten Sie auf Besuche der zahlreichen Bidonvilles.
  • Halten Sie die Autotüren verriegelt und die Fenster geschlossen.
  • Leisten Sie bei einem Überfall keinen Widerstand, denn die Gewaltbereitschaft ist hoch.

Verkehr und Infrastruktur

Zusätzlich zu den Schäden vom Erdbeben vom 12. Januar 2010 hat ein starker Hurrikan am 4. Oktober 2016 erneut massive Schäden angerichtet. Der Wiederaufbau geht äusserst langsam vor sich.

Der Strassenverkehr fordert jedes Jahr zahlreiche Todesopfer. Der schlechte Strassenzustand, die unvorhersehbare Fahrweise und die ungenügende technische Wartung vieler Autos erfordern höchste Konzentration von allen Verkehrsteilnehmern. Wegen der hohen Unfall- und Überfallgefahr wird von nächtlichen Überlandfahrten abgeraten.

Es kommt vor, dass die Grenzübergänge kurzfristig vorübergehend geschlossen werden. Informieren Sie sich bei den lokalen Behörden oder direkt bei den Grenzposten.

Die Wasser- und Energieversorgung sowie das Mobiltelefonnetz funktionieren nur beschränkt, das Festnetz ist in hohem Masse funktionsgestört.

Besondere rechtliche Bestimmungen

Die Justiz- und Sicherheitsbehörden sind in vielen Fällen überfordert. Aufgrund des fehlenden Vertrauens in das Rechtssystem führt die Bevölkerung deshalb manchmal Lynchjustiz als Form von Volksjustiz aus. Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz werden mit Gefängnisstrafen zwischen 3 und 25 Jahren (oder mehr) geahndet. Die Untersuchungshaft kann sich über Monate hinziehen. Die Haftbedingungen sind äusserst prekär: mangelhafte Ernährung und hygienische Verhältnisse etc.

Naturbedingte Risiken

Haiti liegt in einem Erdbebengebiet.
In der Zeit vom Juni bis November muss mit Hurrikanen gerechnet werden. Beachten Sie die Wettervorhersagen sowie die Warnungen und Anweisungen der Behörden.
Weltorganisation für Meteorologie (WMO)

Sollte sich während Ihres Aufenthalts eine Naturkatastrophe ereignen, melden Sie sich möglichst rasch bei Ihren Angehörigen und befolgen Sie die Anweisungen der Behörden. Sind die Verbindungen ins Ausland unterbrochen, kontaktieren Sie die Schweizer Botschaft in Port-au-Prince.

Medizinische Versorgung

Die medizinische Versorgung ist nur beschränkt gewährleistet. Ernsthafte Krankheiten und Verletzungen werden mit Vorteil im Ausland (USA oder Europa) behandelt. Krankenhäuser verlangen eine finanzielle Garantie, bevor sie Patienten behandeln (Kreditkarte oder Vorschusszahlung).

Wenn Sie auf bestimmte Medikamente angewiesen sind, sollte Ihre Reiseapotheke einen ausreichenden Vorrat enthalten. Bedenken Sie jedoch: In vielen Ländern gelten besondere Vorschriften für die Mitnahme von betäubungsmittelhaltigen Medikamenten (z.B. Methadon) und Substanzen, mit denen psychische Erkrankungen behandelt werden. Erkundigen Sie sich gegebenenfalls vor der Abreise direkt bei der zuständigen ausländischen Vertretung (Botschaft oder Konsulat) und konsultieren Sie die Rubrik Reiselinks, wo Sie unter anderem weitere Informationen zu diesem Thema sowie generell zur Reisemedizin finden. Über die Verbreitung von Krankheiten und mögliche Schutzmassnahmen informieren Ärzte und Impfzentren.

Nützliche Adressen

Schweizer Vertretungen im Ausland: Wenn Sie im Ausland in eine Notlage geraten, können Sie sich an die nächste Schweizer Vertretung oder an die Helpline EDA wenden.
Regionales Konsularcenter in Santo Domingo, Dominikanische Republik
Schweizer Botschaft in Port-au-Prince
Helpline EDA

Ausländische Vertretungen in der Schweiz: Auskunft über die Einreisevorschriften (zugelassene Ausweise, Visum etc.) erteilen die zuständigen ausländischen Botschaften und Konsulate. Sie informieren auch über die Zollbestimmungen für die Ein- und Ausfuhr von Tieren und Waren: elektronische Geräte, Souvenirs, Medikamente etc.
Ausländische Vertretungen in der Schweiz

Ausschluss der Haftung
Die Reisehinweise des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) stützen sich auf eigene, als vertrauenswürdig eingeschätzte Informationsquellen. Sie verstehen sich als nützliche Hinweise zur sorgfältigen Planung einer Reise. Das EDA kann Reisenden aber den Entscheid und die Verantwortung für die Vorbereitung und Durchführung der Reise nicht abnehmen.
Gefahrensituationen sind oft nicht vorhersehbar, unübersichtlich und können sich rasch ändern. Das EDA übernimmt keine Gewähr für die Vollständigkeit der Reisehinweise und für die Richtigkeit des Inhalts von verlinkten externen Internetseiten. Es lehnt jede Haftung für allfällige Schäden im Zusammenhang mit einer Reise ab. Forderungen im Zusammenhang mit der Annullierung einer Reise sind direkt beim Reisebüro oder der Reiseversicherung geltend zu machen.