Bilaterale Beziehungen Schweiz–Türkei

Zwischen der Schweiz und der Republik Türkei bestehen enge und vielfältige Beziehungen, die durch einen regelmässigen hochrangigen politischen Dialog und durch intensive Wirtschafts- und Handelsbeziehungen geprägt sind.

Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen

Der letzte Besuch eines türkischen Aussenministers in der Schweiz fand Ende 2013 statt. 2010 besuchte mit Abdullah Gül zum ersten Mal ein türkischer Präsident die Schweiz.

Die Beziehungen zwischen der Schweiz und der Türkei sind ab 2008 deutlich enger geworden und die Anzahl hochrangiger Besuche hat zugenommen. 2008 fand der erste Besuch eines Bundespräsidenten (Alt-Bundesrat Pascal Couchepin) in der Türkei statt. An jährlichen politischen Konsultationen auf Ebene Staatssekretär, konsularischen Konsultationen (seit 2009) sowie regelmässigen Treffen werden Fragen über die polizeiliche Zusammenarbeit, die Migration, die Terrorbekämpfung sowie den Energiebereich erörtert.

Datenbank Staatsverträge

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Mit dem Investitionsschutzabkommen vom 03.03.1988 und dem Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung, das am 01.01.2013 in Kraft getreten ist, besitzen die beiden Länder die Instrumente für einen geregelten Wirtschaftsaustausch.

2016 betrug das Handelsvolumen 5,3 Milliarden CHF. Das Investitionsvolumen der Schweiz in der Türkei belief sich 2015 auf 2,6 Milliarden CHF, inklusive der Bereitstellung von 15‘242 Arbeitsplätzen. Die Schweiz stand 2015 an 12. Stelle der wichtigsten internationalen Investoren in der Türkei.

Die Türkei ist eine wichtige Feriendestination; 2016 besuchten rund 215‘000 Schweizer Touristinnen und Touristen das Land. Die Zahlen sind seit dem Rekordhoch von 2014 (394‘000) rückgängig.

Handelsförderung, Swiss Business Hub Turkey

Länderinformationen, Staatssekretariat für Wirtschaft SECO

Doppelbesteuerungsabkommen mit der Türkei ist in Kraft getreten, Medienmitteilung Staatssekretariat für internationale Finanzfragen, 08.05.2012

Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation

Im Rahmen des siebten Forschungsrahmenprogramms der EU, an dem die Schweiz und die Türkei als assoziierte Länder beteiligt sind, können mehr als 239 Kooperationen in 154 Projekten verzeichnet werden (primär in den Bereichen Ernährung, Biotechnologie, Umwelt, Forschungsinfrastruktur und Informations- und Kommunikationstechnik). Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) besuchte im Juni 2012 die Türkei, um gemeinsame Interessen zu identifizieren und Möglichkeiten zur Intensivierung der bilateralen Forschungszusammenarbeit zwischen den beiden Ländern zu prüfen.

Die Schweiz schreibt zudem jedes Jahr zwei Universitätsstipendien und ein Kunststipendium aus.

Bundes-Exzellenz-Stipendien für ausländische Forschende und Kunstschaffende, SBFI

Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe

Seit 2011 hat die Schweiz Hilfeleistungen an die Opfer der Syrienkrise in der Höhe von über 250 Millionen CHF getätigt (Projekte in Syrien, Libanon, Irak, Jordanien und der Türkei). In der Türkei leben rund 3 Millionen Flüchtlinge, die hauptsächlich aus Syrien stammen. Zur Bewältigung der Flüchtlingskrise unterstützt die Schweiz in der Türkei für die Periode 2015–2017 verschiedene Projekte von Nichtregierungs- und internationalen Organisationen sowie den Aufbau der türkischen Migrationsbehörde mit insgesamt 4,4 Millionen CHF.

Das Türkei-Programm der DEZA wurde Ende 2006 abgeschlossen. Die DEZA unterstützte verschiedene Nichtregierungsorganisationen mit dem Ziel, die Armut zu bekämpfen sowie die Zivilgesellschaft und die Frauenrechte zu stärken. Bei den Erdbeben in Izmit von 1999 und Van von Ende 2011 leistete die Schweiz jeweils humanitäre Hilfe.

Das Engagement der Schweiz in Syrien und der Region

Schweizerinnen und Schweizer in der Türkei

Ende 2016 lebten gemäss Auslandschweizerstatistik 4422 Schweizerinnen und Schweizer in der Türkei

Geschichte der bilateralen Beziehungen

Die erste Vertretung (Gesandtschaft) des Osmanischen Reichs in Bern wurde 1899 eröffnet. 1923 fanden die ersten offiziellen Kontakte zwischen der Schweiz und der Republik Türkei statt, am Rande der Friedenskonferenz in Lausanne.

Der erste Vertreter der Türkei überreichte sein Beglaubigungsschreiben 1925. Im selben Jahr schlossen die Schweiz und die Türkei einen Freundschaftsvertrag ab. Diplomatische Beziehungen wurden 1928 aufgenommen, als die Schweiz in Istanbul eine Gesandtschaft eröffnete. Diese diplomatische Vertretung wurde 1937 nach Ankara verlegt und 1957 zu einer Botschaft aufgewertet.

Im Jahr 1926 übernahm die Türkei das Zivilgesetzbuch und das Obligationenrecht der Schweiz praktisch ohne Änderung. Zudem wurden in der Schweiz zwei Staatsverträge unterzeichnet, die für die Türkei von grundlegender Bedeutung waren: der Friedensvertrag von Lausanne, der als Geburtsurkunde der modernen Türkei gilt, sowie der Vertrag von Montreux (1936), mit dem die Türkei die volle Souveränität über die Dardanellen und den Bosporus erlangte. Dadurch entstanden besonders enge Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Im Jahr 2008 schenkte die Schweiz der Türkei den Tisch, an dem der Friedensvertrag von Lausanne unterzeichnet wurde.

Türkei, Historisches Lexikon der Schweiz