Gültig am:
Publiziert am: 13.11.2018

Das Kapitel Spezifische regionale Risiken ist aktualisiert worden (Südosten und Osten).


Reisehinweise für die Türkei

Diese Reisehinweise entsprechen der aktuellen Lagebeurteilung des EDA. Sie werden laufend überprüft und bei Bedarf angepasst.
Beachten Sie auch die nebenstehenden länderunabhängigen Reiseinformationen und die Fokus-Themen; sie sind Bestandteil dieser Reisehinweise.

Grundsätzliche Einschätzung

Die innenpolitischen Spannungen und die bewaffneten Konflikte in den Nachbarländern Syrien und Irak haben Auswirkungen auf die Sicherheitslage. In den grösseren Städten und in den Grenzregionen zu Syrien kann es zu Demonstrationen und Ausschreitungen kommen. Im Südosten des Landes sind die Spannungen besonders gross und es kommt immer wieder zu Ausschreitungen und bewaffneten Zusammenstössen.

Der nach dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 ausgerufene Notstand wurde am 18. Juli 2018 aufgehoben. Allerdings werden Teile der Terrorismusabwehr, welche Einschränkungen gewisser Grundrechte vorsehen, ins ordentliche Gesetz überführt. Die Sicherheitskräfte verfügen weiterhin über die Möglichkeit, die Bewegungs- und Versammlungsfreiheit einzuschränken sowie kurzfristig lokale Ausgangssperren zu verhängen.

Die türkischen Behörden betrachten türkisch-schweizerische Doppelbürgerinnen und Doppelbürger ausschliesslich als türkische Staatsangehörige und lassen die Gewährung von konsularischem Schutz durch die Schweiz nicht in jedem Fall zu.

Trotz erhöhter Sicherheitsmassnahmen besteht das Risiko von Terroranschlägen jederzeit im ganzen Land. Im Südosten und Osten des Landes, aber auch in Ankara und Istanbul haben Attentate wiederholt zahlreiche Todesopfer und Verletzte gefordert, darunter Sicherheitskräfte, Bus-Passagiere, Demonstranten und Touristen. Beispiele:

  • Istanbul: In der Silvesternacht 2016/2017 sind bei einem Terrorattentat in einem Nachtklub über dreissig Personen erschossen und über sechzig verletzt worden. Am 10. Dezember 2016 haben zwei Attentate auf Polizisten bei einem Fussballstadion zahlreiche Todesopfer und Verletzte gefordert. Am 28. Juni 2016 hat ein Attentat im Flughafen Ataturk in Istanbul mehrere Todesopfer und Verletzte gefordert.
  • Ankara: Am 13. März und 17. Februar 2016 forderten Anschläge im Stadtzentrum zahlreiche Todesopfer. Am 10. Oktober 2015 forderte ein Anschlag auf eine Demonstration um die hundert Todesopfer und mehrere hundert Verletzte.

Vor allem in grossen Menschenansammlungen ist erhöhte Wachsamkeit angezeigt, z.B.in öffentlichen Transportmitteln, in Einkaufsstrassen, Einkaufszentren und auf Märkten, bei touristischen Sehenswürdigkeiten etc. Beachten Sie auch die Rubrik
Terrorismus und Entführungen

Tragen Sie immer Ihren Pass oder Ihre Identitätskarte auf sich, um sich bei Kontrollen ausweisen zu können. Meiden Sie Massenveranstaltungen und Demonstrationen jeder Art. Halten Sie sich an die Anweisungen der lokalen Sicherheitskräfte (Absperrungen, Ausgangssperren etc.) und bleiben Sie in Kontakt mit Ihrem Reiseveranstalter.

Spezifische regionale Risiken

Bei der Beschreibung von Gefahrenzonen handelt es sich um ungefähre Angaben; Risiken lassen sich nicht auf exakt umrissene Gebiete einschränken.

Grenze zu Griechenland

Vereinzelte Abschnitte der Grenze zu Griechenland sind noch vermint. In der Regel sind die Minenfelder gekennzeichnet.

Südosten und Osten

Generell: Der Konflikt zwischen der Regierung und der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) dauert an. Bestehende Spannungen werden durch die Lage-Entwicklung in Syrien und Irak verstärkt. Es kommt immer wieder zu bewaffneten Zusammenstössen zwischen PKK-Kämpfern und den Sicherheitskräften. In der Regel erklärt die Regierung die Gebiete, wo bewaffnete Auseinandersetzungen stattfinden, zu Sperrzonen. Die zahlreichen Anschläge der PKK richten sich hauptsächlich gegen die Sicherheitskräfte, treffen jedoch auch Zivilpersonen. Die Sicherheitskräfte führen gross angelegte Operationen und Strassencheckpoints durch, bei denen es auch zu Risiken für anwesende Zivilpersonen kommen kann. Auch bei Zusammenstössen zwischen Demonstranten und den Sicherheitskräften kann es zu Todesopfern und Verletzten kommen.
Es besteht teilweise die Gefahr von Landminen.

Grenzgebiete zu Syrien und Irak: Die bewaffneten Konflikte in Syrien und Irak können sich auf die angrenzenden türkischen Gebiete auswirken, zum Beispiel durch vereinzelte Granaten- und Raketenbeschüsse aus dem Kriegsgebiet. Wiederholt sind Anschläge gegen zivile Ziele verübt worden, zum Beispiel forderte am 20. August 2016 ein Anschlag auf eine Hochzeitsgesellschaft in Gaziantep über fünfzig Todesopfer und rund hundert Verletzte. Im Juli 2015 forderte ein Attentat in Suruc (Provinz Sanliurfa) mehr als dreissig Todesopfer. Das Risiko von Entführungen durch terroristische Gruppierungen aus Syrien kann im Grenzgebiet nicht ausgeschlossen werden.

Von touristischen und anderen nicht dringenden Reisen in folgende Provinzen wird abgeraten: Hatay, Kilis, Gaziantep, Sanliurfa, Diyarbakir, Bingöl, Mardin, Batman, Bitlis, Siirt, Sirnak, Hakkari, Van, Agri und Igdir. Davon ausgenommen ist die Handelsmetropole Gaziantep unter der Voraussetzung, dass die An- und Abreise mit dem Flugzeug erfolgt. 
Falls Sie aus zwingenden Gründen in diese Provinzen reisen müssen, informieren Sie sich vor und während der Reise bei den lokalen Behörden über die aktuelle Sicherheitslage. Lassen Sie sich von einer lokalen Vertrauensperson begleiten, und befolgen Sie die Anweisungen der Sicherheitskräfte (Sperrzonen meiden, Ausgangssperren befolgen etc.). Von Reisen jeder Art in die Grenzgebiete zu Syrien und Irak wird abgeraten.

In den übrigen Gebieten des Südostens und Ostens, die oben nicht spezifisch erwähnt werden, ist weiterhin grosse Vorsicht geboten, vor allem in den Grenzgebieten zu Iran. Reisen Sie nur tagsüber und informieren Sie sich vor und während der Reise bei den lokalen Behörden und Sicherheitskräften über die aktuelle Lage und über militärische Sicherheitszonen. Befolgen Sie die Anweisungen der lokalen Behörden (z.B. Ausgangssperren) und bleiben Sie in Kontakt mit Ihrem Reiseveranstalter. Von Wanderungen in diesen Gebieten wird abgeraten.

Kriminalität

Vereinzelt kann es zu Raubüberfällen und Aggressionen kommen, dies gilt insbesondere für die Touristenmetropole Istanbul. Eine besondere Gefährdung besteht jedoch in Flughäfen, Bahnhöfen, U-Bahn-Stationen, Fussgänger-Unterführungen und offenen Märkten. Homosexualität ist nicht allgemein toleriert. Übergriffe auf Personen, die sich in der Öffentlichkeit als homosexuell zu erkennen geben, kommen vor.

Es werden unter anderem folgende Vorsichtsmassnahmen empfohlen:

  • Lassen Sie bei grösseren Menschenansammlungen besondere Vorsicht walten (z.B. auf Märkten, in Bahnhöfen etc.).
  • Schenken Sie bei der Wahl der Unterkunft dem Sicherheitsaspekt besondere Aufmerksamkeit; zu grosse Sparsamkeit kann Ihre Sicherheit beeinträchtigen.
  • Suchen Sie einen bewachten Parkplatz oder einen Campingplatz auf, wenn Sie im Auto übernachten möchten.
  • Tragen Sie keine Wertgegenstände (Uhren, Schmuck usw.) auf sich und deponieren Sie Ihre Wertsachen im Hotelsafe.
  • Lassen Sie Gruppen von Bettlern (meist Frauen mit Kindern) gegenüber Vorsicht walten. Diese halten sich häufig bei Bahnhöfen, an Strassenkreuzungen und in der Umgebung von Touristenattraktionen auf.
  • Teilen Sie Taxis nicht mit Fremden.
  • Wechseln Sie Geld nur bei offiziellen Finanzinstitutionen (Banken und Wechselstuben). Dabei muss ein Pass mit gültigem Visum vorgewiesen werden. 

Verkehr und Infrastruktur

Der türkische Strassenverkehr ist vor allem in den Städten lebhaft und dicht. Ein defensiver Fahrstil ist deshalb angebracht. Verzichten Sie auf nächtliche Überlandfahrten.

Besondere rechtliche Bestimmungen

Zuwiderhandlungen gegen das Verbot der Ausfuhr von Kulturgütern aller Art und auch von geringem Wert (Antiquitäten, alte Gegenstände und Münzen, Fossilien, behauene Steine etc.) werden mit Haftstrafen von bis zehn Jahren bestraft.

Äusserungen oder Handlungen, welche die Einheit des Staates gefährden oder die den Staat, dessen Institutionen, hochrangige Persönlichkeiten oder Symbole in irgendeiner Form beleidigen oder verunglimpfen, sind verboten. Mit Bussen oder Haftstrafen können demnach Beleidigungen oder Verunglimpfungen des Präsidenten der Republik, der Regierung, des Gründers der modernen Türkei Mustafa Kemal Atatürk, der Polizei, der Armee, der Nationalhymne oder Flagge bestraft werden. Unter diesen Strafbestand können auch regierungskritische Äusserungen im Internet und in den sozialen Medien fallen. Das Verunstalten oder Zerreissen von Banknoten ist ebenfalls strafbar.

Es ist verboten, militärische Anlagen oder in militärischen Sicherheitszonen zu fotografieren.

Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz werden schon bei geringen Mengen und bei jeder Art von Drogen hart bestraft (1 bis 20 Jahre Gefängnis).

Fahrzeuglenker, die in einen Verkehrsunfall mit Verletzten oder Todesfolge verwickelt sind, dürfen im Zweifelsfall während der Untersuchung/Verhandlung das Land nicht verlassen.

Auch bei anderen strafrechtlichen Verfahren kann die Polizei unter Umständen die involvierten Personen an der Ausreise hindern, bis die Angelegenheit erledigt ist. Darunter fallen zum Beispiel Strafverfahren im Zusammenhang mit dem Putschversuch vom Juli 2016 oder bei Verdacht auf Verbindungen zu verbotenen Organisationen. 

Kulturelle Besonderheiten

Die Türkei ist ein muslimisch geprägtes Land. Abseits der touristischen Badestrände, ist es angezeigt, Verhalten und Kleidung den lokalen Gepflogenheiten anzupassen. Informieren Sie sich in Reiseführern, bei Ihrem Reisebüro oder vor Ort über die Verhaltensregeln und die genauen Bestimmungen. Denken Sie daran, dass während des Ramadans besondere Regeln und Vorschriften zu beachten sind.

Naturbedingte Risiken

Das Land liegt in einer Erdbebenzone.

Sollte sich während Ihres Aufenthalts ein Erdbeben ereignen, befolgen Sie die Anweisungen der Behörden und melden Sie sich möglichst rasch bei Ihren Angehörigen. Sind die Verbindungen ins Ausland unterbrochen, kontaktieren Sie das Schweizerische Generalkonsulat in Istanbul.

Medizinische Versorgung

Ausserhalb der Städte ist die medizinische Versorgung nur beschränkt gewährleistet. Bei Notfällen sind sämtliche Krankenhäuser gesetzlich verpflichtet, die Patienten notfallmässig zu behandeln. Jedes Spital wird jedoch umgehend Rechnung stellen. Weitergehende Operationen und stationäre Aufenthalte müssen im Voraus bezahlt werden.

Wenn Sie auf bestimmte Medikamente angewiesen sind, sollte Ihre Reiseapotheke einen ausreichenden Vorrat enthalten. Bedenken Sie jedoch: In vielen Ländern gelten besondere Vorschriften für die Mitnahme von betäubungsmittelhaltigen Medikamenten (z.B. Methadon) und Substanzen, mit denen psychische Erkrankungen behandelt werden. Erkundigen Sie sich gegebenenfalls vor der Abreise direkt bei der zuständigen ausländischen Vertretung (Botschaft oder Konsulat) und konsultieren Sie die Rubrik Reiselinks, wo Sie unter anderem weitere Informationen zu diesem Thema sowie generell zur Reisemedizin finden. Über die Verbreitung von Krankheiten und mögliche Schutzmassnahmen informieren Ärzte und Impfzentren.

Nützliche Adressen

Notruf Polizei: 155

Schweizer Vertretungen im Ausland: Wenn Sie im Ausland in eine Notlage geraten, können Sie sich an die nächste Schweizer Vertretung oder an die Helpline EDA wenden.
Schweizer Generalkonsulat in Istanbul
Helpline EDA

Ausländische Vertretungen in der Schweiz: Auskunft über die Einreisevorschriften (zugelassene Ausweise, Visum etc.) erteilen die zuständigen ausländischen Botschaften und Konsulate. Sie informieren auch über die Zollbestimmungen für die Ein- und Ausfuhr von Tieren und Waren: elektronische Geräte, Souvenirs, Medikamente etc.
Ausländische Vertretungen in der Schweiz

Ausschluss der Haftung
Die Reisehinweise des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) stützen sich auf eigene, als vertrauenswürdig eingeschätzte Informationsquellen. Sie verstehen sich als nützliche Hinweise zur sorgfältigen Planung einer Reise. Das EDA kann Reisenden aber den Entscheid und die Verantwortung für die Vorbereitung und Durchführung der Reise nicht abnehmen.
Gefahrensituationen sind oft nicht vorhersehbar, unübersichtlich und können sich rasch ändern. Das EDA übernimmt keine Gewähr für die Vollständigkeit der Reisehinweise und für die Richtigkeit des Inhalts von verlinkten externen Internetseiten. Es lehnt jede Haftung für allfällige Schäden im Zusammenhang mit einer Reise ab. Forderungen im Zusammenhang mit der Annullierung einer Reise sind direkt beim Reisebüro oder der Reiseversicherung geltend zu machen.