Gültig am:
Publiziert am: 25.02.2016

Reisehinweise für Bolivien

Diese Reisehinweise entsprechen der aktuellen Lagebeurteilung des EDA. Sie werden laufend überprüft und bei Bedarf angepasst.
Beachten Sie auch die nebenstehenden länderunabhängigen Reiseinformationen und die Fokus-Themen; sie sind Bestandteil dieser Reisehinweise.

 

Grundsätzliche Einschätzung

Bei Reisen nach Bolivien ist der persönlichen Sicherheit grosse Aufmerksamkeit zu schenken.

Aufgrund sozialer und politischer Spannungen sind spontane Streiks, Demonstrationen, Unruhen und Strassenblockaden jederzeit möglich. Das Gewaltpotenzial ist hoch. Blockaden und Streiks können Behinderungen und Verspätungen verursachen und vermögen mitunter das ganze Land lahmzulegen (auch die Zufahrt zum internationalen Flughafen von La Paz ist ab und zu davon betroffen). Bei längerer Dauer kann es auch zu Versorgungsengpässen kommen.
Im Falle von Strassensperren und Streiks bleibt den Reisenden nichts anderes übrig, als sich lokal über alternative Reisemöglichkeiten zu erkundigen und gegebenenfalls die Normalisierung der Lage abzuwarten. Die schweizerische Botschaft in La Paz hat bei Blockaden nur eng begrenzte - je nach Situation gar keine - Möglichkeiten zur Unterstützung der Ausreise aus den betroffenen Regionen.

Berücksichtigen Sie diese Faktoren bei der Reiseplanung, und planen Sie genügend Zeit und finanzielle Mittel ein. Informieren Sie sich vor und während der Reise in den Medien, bei Ihrem Reiseveranstalter oder einem lokalen Reisebüro über die aktuelle Lage in Ihrem Zielgebiet und die Durchführbarkeit der geplanten Reise. Meiden Sie Demonstrationen jeder Art. Versuchen Sie nicht, Strassenblockaden zu passieren, da dies zu gewaltsamen Reaktionen führen kann.

Spezifische regionale Risiken

Bei der Beschreibung von Gefahrenzonen handelt es sich um ungefähre Angaben; Risiken lassen sich nicht auf exakt umrissene Gebiete einschränken.

Chapare: In Chapare ist besondere Vorsicht geboten, weil es dort wegen der Vernichtung von Kokaplantagen sporadisch zu Zusammenstössen zwischen den Ordnungskräften und der lokalen Bevölkerung kommt.

Grenzgebiete zu den Nachbarstaaten: In den Grenzgebieten sind verschiedene, gewaltbereite Schmuggel- und Drogenbanden aktiv. Lassen Sie erhöhte Vorsicht walten.

Kriminalität

Die Kriminalität nimmt zu, ist immer häufiger mit Gewalt verbunden und richtet sich auch gegen Reisende: Taschen-, Entreiss- und Trickdiebstähle, Raubüberfälle, Sexualdelikte, Entführungen zwecks Lösegelderpressung. Entführungen können wenige Stunden bis mehrere Tage dauern. Die Opfer werden zu Bargeldbezügen mit der Kreditkarte oder zur Überweisung von Geld aus der Heimat gezwungen. Das Risiko von Diebstählen, Überfällen und Entführungen besteht unter anderem in Minibussen und inoffiziellen Taxis.
Eine besondere Gefährdung besteht in La Paz (vor allem im und um den Busbahnhof), El Alto, Copacabana und Santa Cruz sowie in abgelegenen Gebieten (z.B. im Tal der Yungas zwischen La Paz und Coroico, auf dem Circuit nach Rurrenabaque, im Urwaldgebiet von Chapare und in der Provinz Ayopaya).

Beachten Sie im ganzen Land unter anderem folgende Vorsichtsmassnahmen:

  • Informieren Sie sich bei Bekannten, Geschäftspartnern, im Hotel oder bei den Radio-Taxifahrern über die aktuellen lokalen Gegebenheiten.
  • Tragen Sie keine Wertgegenstände (Uhren, Schmuck usw.) und nur wenig Geld auf sich.
  • Deponieren Sie wichtige Dokumente (Pass, Flugschein, Reiseschecks etc.) im Hotelsafe; tragen Sie aber immer eine Passkopie auf sich.
  • Lassen Sie sich auf Reisen und Trekking-Touren von einem lokalen ortskundigen Führer begleiten.
  • Frauen wird generell davon abgeraten, alleine zu reisen bzw. Ausflüge und Spaziergänge zu unternehmen.
  • Teilen Sie Ihr Taxi nicht mit Unbekannten. Benutzen Sie sog. Radio-Taxis (Leuchtschild auf dem Dach mit Name und Telefonnummer der Gesellschaft) oder Hoteltaxis.
  • Nehmen Sie keine Minibusse, sondern wählen Sie die regulären Linienbusunternehmen.
  • Es kommt vor, dass Diebe Polizeiuniformen tragen und sich als Drogenfahnder ausgeben. Bei Identitätskontrollen durch die Polizei wird deshalb folgendes Verhalten empfohlen: Weisen Sie Ihren Pass oder eine Fotokopie davon vor, weigern Sie sich aber, mit den Polizisten in einen zivilen Wagen zu steigen. Bestehen Sie auf ein gekennzeichnetes Polizeiauto, und zögern Sie nicht, bei Schwierigkeiten die Notruf-Nummer der Polizei anzurufen.
  • Leisten Sie bei einem Überfall keinen Widerstand, denn die Gewaltbereitschaft nimmt zu.

Es besteht eine gewisse Rechtsunsicherheit. Sie ist unter anderem bedingt durch die verbreitete Korruption und die vermehrt ausgeübte Lokaljustiz der indigenen Bevölkerung. Dabei werden oft wesentlich drastischere Strafen verhängt, als vom Grundgesetz vorgesehen. Es kommt selbst zu Fällen von Lynchjustiz. Für Reisende, die selbst Auto fahren, könnten Unfälle mit Personenschaden eine Gefahrenquelle darstellen.

Die bolivianischen Behörden haben in den grösseren Touristenzentren für Hilfe suchende Reisende Touristenpolizei-Büros eingerichtet (Unterstützung bei Passverlust, Diebstahl, Überfall etc.). Das Netz ist noch im Ausbau begriffen.

Verkehr und Infrastruktur

Der Strassenzustand ist oft schlecht. Nur ein geringer Teil des Strassennetzes ist asphaltiert. Während der Regenzeit (November bis März) können gewisse Strassenabschnitte wegen Überschwemmungen, Erdrutschen usw. während längerer Zeit unpassierbar sein. Die Fahrzeuge sind oft schlecht gewartet, auch Busse und Mietautos. Zusätzliche Risiken bilden das unvorhersehbare Verhalten vieler Verkehrsteilnehmer und der Umstand, dass (Berufs-)Fahrer zum Teil übermüdet oder betrunken fahren. Von nächtlichen Überlandfahrten wird abgeraten.
Wegen der Risiken im Strassenverkehr und der häufigen Strassensperren sollten landesunkundige Personen auf Überlandfahrten verzichten.

Die Treibstoffpreise für Fahrzeuge mit ausländischen Nummernschildern sind höher als für einheimische. Es kann vorkommen, dass Tankstellen ausländischen Fahrzeugen keinen Treibstoff verkaufen, um die komplizierten Abrechnungen zu vermeiden.

Die Sicherheitsvorkehrungen von Booten und Geländefahrzeugen, die für touristische Ausflüge genutzt werden, sind oft mangelhaft.
Das Unfallrisiko ist hoch. Die öffentlichen Verkehrsmittel (Busse, Schiffe und Flugzeuge) sind teilweise veraltet und schlecht gewartet.
Auch im Bereich von (Risiko-)Sportarten ist die Qualität der Sicherheitsvorkehrungen und des Materials sehr unterschiedlich (River-Rafting, Fahrradtouren, Bergsteigen etc.). Informieren Sie sich bei den lokalen Anbietern über die Sicherheitsmassnahmen und prüfen Sie die Sportgeräte.

Im Flugverkehr muss mit Verspätungen und Annullierungen wegen schlechten Wetters, Streiks etc. gerechnet werden. Die Wartung der Flugzeuge entspricht nicht europäischem resp. internationalem Standard.

Besondere rechtliche Bestimmungen

Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz werden, auch bei Besitz kleinster Mengen, mit bis zu 20 Jahren Gefängnis geahndet. Die Haftbedingungen sind prekär (überfüllte Zellen, mangelhafte hygienische Verhältnisse und medizinische Versorgung etc.). Beim Verlassen des Landes ist zu beachten, dass in der Schweiz (und in zahlreichen anderen Ländern) die Einfuhr von Koka-Teeblättern oder Koka-Teebeuteln verboten ist.

Kulturelle Besonderheiten

In abgelegenen Gebieten kommt es vor, dass die Landbevölkerung aus verschiedenen Gründen Ausländern („Gringos“) gegenüber misstrauisch und abweisend ist. Begegnen Sie deshalb der Bevölkerung mit gebührendem Respekt, passen Sie Ihr Verhalten den lokalen Gepflogenheiten an, und fotografieren Sie Personen nie ohne ihre ausdrückliche Einwilligung.

Naturbedingte Risiken

Das Land verfügt über verschiedene Zonen mit teils extremen geologischen und klimatischen Bedingungen (Hochgebirge, Urwald, Salzwüste etc.). Lassen Sie sich auch aus diesem Grund auf Wanderungen, Bergtouren sowie beim Überqueren des Salzsees von ortskundigen Führern begleiten. In den Anden sollten die Symptome der Höhenkrankheit nicht unterschätzt werden.

Medizinische Versorgung

Ausserhalb der Grossstädte ist die medizinische Versorgung nicht gewährleistet. Krankenhäuser verlangen in der Regel eine finanzielle Garantie, bevor sie Patienten behandeln (schriftlich garantierte Kostenübernahme, Kreditkarte oder Vorschusszahlung).

Wenn Sie auf bestimmte Medikamente angewiesen sind, sollte Ihre Reiseapotheke einen ausreichenden Vorrat enthalten. Bedenken Sie jedoch: In vielen Ländern gelten besondere Vorschriften für die Mitnahme von betäubungsmittelhaltigen Medikamenten (z.B. Methadon) und Substanzen, mit denen psychische Erkrankungen behandelt werden. Erkundigen Sie sich gegebenenfalls vor der Abreise direkt bei der zuständigen ausländischen Vertretung (Botschaft oder Konsulat) und konsultieren Sie die Rubrik Reiselinks, wo Sie unter anderem weitere Informationen zu diesem Thema sowie generell zur Reisemedizin finden. Über die Verbreitung von Krankheiten und mögliche Schutzmassnahmen informieren Ärzte und Impfzentren.

Besondere Hinweise

Die schweizerischen Vertretungen in Bolivien leiten sämtliche konsularischen Geschäfte zur Bearbeitung ans regionale Konsularcenter nach Lima, Peru weiter. Im Falle eines Passverlustes kontaktieren Sie bitte umgehend die schweizerische Botschaft in Lima. Die Schweizer Vertretungen in La Paz, Cochabamba und Santa Cruz nehmen Gesuche für provisorische Pässe entgegen und übermitteln diese nach Lima. Die Wartezeit beträgt drei bis fünf Arbeitstage. Während dieser Zeit ist die Ausreise aus Bolivien nicht möglich.
Regionales Konsularcenter in Lima, Peru

Minderjährige Kinder (inklusiv Doppelbürger) benötigen zur Ausreise aus Bolivien eine Ausreisebewilligung/Reiseermächtigung („Autorización de viaje“) der bolivianischen Migrationsbehörde, wenn sie ohne Eltern oder mit nur einem Elternteil reisen. Erkundigen Sie sich frühzeitig beim bolivianischen Generalkonsulat in Genf oder beim bolivianischen Migrationsamt.

Nützliche Adressen

Notruf Polizei: 110
Notruf Sanität: 118
Notruf allgemein: 911
Touristenpolizei in La Paz: 222 50 16, Plaza del Estadio, Miraflores (beim Stadion Hernan Siles)
Club Andino Boliviano, La Paz: 231 28 75 (Informationen für Bergsteiger)
Administradora Boliviana de Carrateras: Strassenzustand
Dirección general de migración

Schweizer Vertretungen im Ausland: Wenn Sie im Ausland in eine Notlage geraten, können Sie sich an die nächste Schweizer Vertretung oder an die Helpline EDA wenden.
Schweizer Botschaft in Bolivien
Regionales Konsularcenter in Lima, Peru
Helpline EDA

Ausländische Vertretungen in der Schweiz: Auskunft über die Einreisevorschriften (zugelassene Ausweise, Visum etc.) erteilen die zuständigen ausländischen Botschaften und Konsulate. Sie informieren auch über die Zollbestimmungen für die Ein- und Ausfuhr von Tieren und Waren: elektronische Geräte, Souvenirs, Medikamente etc.
Ausländische Vertretungen in der Schweiz

Ausschluss der Haftung
Die Reisehinweise des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) stützen sich auf eigene, als vertrauenswürdig eingeschätzte Informationsquellen. Sie verstehen sich als nützliche Hinweise zur sorgfältigen Planung einer Reise. Das EDA kann Reisenden aber den Entscheid und die Verantwortung für die Vorbereitung und Durchführung der Reise nicht abnehmen.
Gefahrensituationen sind oft nicht vorhersehbar, unübersichtlich und können sich rasch ändern. Das EDA übernimmt keine Gewähr für die Vollständigkeit der Reisehinweise und lehnt jede Haftung für allfällige Schäden im Zusammenhang mit einer Reise ab. Forderungen im Zusammenhang mit der Annullierung einer Reise sind direkt beim Reisebüro oder der Reiseversicherung geltend zu machen.