Gültig am:
Publiziert am: 03.06.2016

Reisehinweise für Venezuela

Diese Reisehinweise entsprechen der aktuellen Lagebeurteilung des EDA. Sie werden laufend überprüft und bei Bedarf angepasst.
Beachten Sie auch die nebenstehenden länderunabhängigen Reiseinformationen und die Fokus-Themen; sie sind Bestandteil dieser Reisehinweise.

 

Grundsätzliche Einschätzung

Bei Reisen nach Venezuela ist der persönlichen Sicherheit grosse Aufmerksamkeit zu schenken. Die Rate der Gewaltkriminalität ist im ganzen Land sehr hoch. Die politische und soziale Lage ist zunehmend gespannt.

Die schwere Wirtschaftskrise verursacht Versorgungsschwierigkeiten und ‑engpässe. Auch Gütern des täglichen Bedarfs und Medikamenten sind oft über längere Zeiträume nicht verfügbar.

Die politische Lage ist polarisiert und insbesondere in den grossen Städten konfliktgeladen. Frustrationen der Bevölkerung manifestieren sich durch Sachbeschädigungen, gewalttätige Demonstrationen und Plünderungen.

Grössere Demonstrationen werden normalerweise angekündigt. Diese können mehrere Tage dauern und den Reiseverkehr behindern. Gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten verschiedener Lager sowie zwischen Demonstranten und den Sicherheitskräften können jederzeit vorkommen. Im Falle von Strassensperren und Streiks bleibt den Reisenden nichts anderes übrig, als sich lokal über alternative Reisemöglichkeiten zu erkundigen und gegebenenfalls die Normalisierung der Lage abzuwarten. Die schweizerische Botschaft in Caracas hat bei Blockaden je nach Situation keine Möglichkeiten zur Unterstützung der Ausreise aus den betroffenen Regionen.

Verfolgen Sie die Entwicklung der Lage vor und während der Reise in den Medien. Meiden Sie politische Veranstaltungen und Demonstrationen jeder Art. Halten Sie sich an die Anweisungen der Behörden und bleiben Sie mit Ihrem Reiseveranstalter in Kontakt.

Spezifische regionale Risiken

Bei der Beschreibung von Gefahrenzonen handelt es sich um ungefähre Angaben; Risiken lassen sich nicht auf exakt umrissene Gebiete einschränken.

Grenzgebiete zu Kolumbien: Die innerkolumbianischen Konflikte sowie das organisierte Verbrechen beeinflussen die Sicherheitslage entlang der Grenze. Es besteht eine erhöhte Gefahr, Opfer eines Gewaltverbrechens oder einer Entführung zu werden. Von Reisen in die Grenzgebiete zu Kolumbien wird abgeraten.

Kriminalität

Die Kriminalitätsrate ist sehr hoch und nimmt weiter zu. Der Besitz von Schusswaffen ist weit verbreitet, und Kriminelle machen immer häufiger und ohne Zögern davon Gebrauch. Ausser Taschen- und Entreissdiebstählen geschehen auch Gewaltdelikte immer häufiger: Entführungen zwecks Lösegelderpressung, bewaffnete Autodiebstähle (besonders Luxusautos), Raubüberfälle, Sexualdelikte und Morde. Bei sogenannten Express-Entführungen wird das Opfer zu Bargeldbezügen und Einkäufen mit der Kreditkarte gezwungen. Es sind Straffälle bekannt, an denen Polizisten beteiligt waren.

Auf den Strassen werden häufig Überfälle durch Kriminelle auf Motorrädern verübt. Das Risiko besteht in den Städten und auf Überlandstrassen, für Personenwagen und für Busse.

Die Zahl aller Delikte hat seit 2014 zugenommen. Die Gefährdung besteht sowohl bei Einzel- als auch bei Gruppenreisen. Sie ist besonders hoch in Caracas und anderen grösseren Städten des Landes, besteht aber grundsätzlich immer und überall. Es werden zum Beispiel auch gewaltsame Überfälle (teilweise mit Todesfolgen) in den Flughäfen, an den Stränden sowie in kleinen Hotelanlagen (Posadas) in Badeorten gemeldet. Überfälle im internationalen Flughafen von Maiquetía haben seit Anfang 2016 zugenommen.

Beachten Sie unter anderem folgende Vorsichtsmassnahmen:

  • Reisen Sie ausschliesslich tagsüber und nicht alleine. Lassen Sie sich wenn möglich von einer lokalen Vertrauensperson begleiten.
  • Informieren Sie sich an Ihren Aufenthaltsorten bei Bekannten, Geschäftspartnern oder im Hotel über die lokalen Gegebenheiten, und erkundigen Sie sich, welche Quartiere als sicher gelten. Meiden Sie generell die ärmeren Stadtteile.
  • Tragen Sie keine Wertgegenstände (Uhren, Schmuck usw.) und nur wenig Geld auf sich. Deponieren Sie Wertsachen im Hotelsafe. Tragen Sie aber immer eine Passkopie auf sich.
  • Setzen Sie Kreditkarten mit Vorsicht ein, denn Missbrauch ist verbreitet.
  • Gehen Sie nach Einbruch der Dunkelheit nicht aus.
  • Diebstahl in billigeren, unbewachten Hotels ist verbreitet. Es lohnt sich, etwas mehr Geld für eine sicherere Unterkunft auszugeben.
  • Benutzen Sie ausschliesslich registrierte Taxis (in der Regel gelbes Nummernschild) und bestellen Sie diese womöglich per Telefon. Lehnen Sie im Flughafen Caracas Maiquetía Angebote von selbsternannten Taxifahrern ab. Nehmen Sie stattdessen ein Taxi beim offiziellen Taxistand (schwarze Geländewagen mit gelben Kennzeichen) unmittelbar vor der Ankunftshalle oder lassen Sie sich von einer Vertrauensperson abholen.
  • Nehmen Sie von Unbekannten keine Drinks an. Es kommt vor, dass Getränke mit Betäubungsmitteln versetzt werden, um das Opfer nachher zu berauben oder zu vergewaltigen.
  • Parkieren Sie das Auto nicht an abgelegenen und unbewachten Orten. Beobachten Sie die Umgebung, bevor Sie das Auto verlassen.
  • Campieren Sie nur auf dafür gekennzeichneten und bewachten Plätzen.
  • Leisten Sie bei einem Überfall keinen Widerstand, denn die Gewaltbereitschaft ist sehr hoch. Die Verbrecher schrecken auch vor Morden nicht zurück.
  • Geschäftsleuten wird empfohlen, nur tagsüber an Meetings teilzunehmen.

Die Rechtsunsicherheit ist gross: Straftaten und Verbrechen bleiben meistens ungeahndet. Die Polizei leidet unter Korruption, Unerfahrenheit sowie Geld- und Personalmangel. Das Justizsystem ist ineffizient und überlastet. Es gibt Fälle von Lynchjustiz.

In den venezolanischen Gewässern ist es wiederholt zu Piratenüberfällen gekommen. Beachten Sie die spezifischen Informationen:
Maritime Piraterie

Verkehr und Infrastruktur

Die Überlandstrassen sind teilweise in schlechtem Zustand. Busse gelten als unsicher (oft unvorsichtige Fahrweise, Überfälle). Verzichten Sie nachts auf Überlandfahrten.

Personen, die mit dem eigenen Fahrzeug einreisen: Das Fahrzeug muss entweder von Ihnen selbst wieder ausgeführt oder verzollt werden. Dies gilt auch, wenn es aufgrund eines irreparablen Schadens verschrottet werden muss. Die venezolanischen Behörden können die Ausreise verweigern, bis das Fahrzeug verzollt oder die Ausfuhrformalitäten geregelt sind.

Polizeikontrollen (so genannte Checkpoints) werden im ganzen Land durchgeführt. Halten Sie an, und weisen Sie Ihren Pass vor.

Die Flughafenstrasse in Caracas gilt als gefährlich und sollte, wenn möglich, nachts nicht benutzt werden. Um an den internationalen Flughafen zu gelangen, müssen je nach Tageszeit mehrere Stunden eingeplant werden. Erkundigen Sie sich vor der Reise bei Ihrem Reisebüro oder der Fluggesellschaft.

Es ereignen sich immer wieder Unfälle mit Kleinflugzeugen. Die Sicherheitsvorkehrungen und der Zustand der Flugzeuge für Inlandflüge sind unterschiedlich. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Reisebüro über die Sicherheit der Fluggesellschaften.

Es muss landesweit mit längeren Unterbrüchen der Strom- und Wasserversorgung gerechnet werden.

Die venezolanischen Grenzübergänge nach Kolumbien, Brasilien und Guyana bleiben zeitweise geschlossen. Erkundigen Sie sich vor einem allfälligen Grenzübertritt (auf dem Land- oder Wasserweg) bei den zuständigen Behörden oder direkt bei den Grenzposten über die aktuell gültigen Öffnungszeiten.

Besondere rechtliche Bestimmungen

Es ist verboten, militärische Anlagen (z.B. Militärflughafen, Präsidentenpalast etc.) zu fotografieren. Geld darf nur bei Banken und offiziellen Wechselbüros eingetauscht werden. Zuwiderhandlungen können hohe Strafen nach sich ziehen. Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz werden mit Gefängnisstrafen von  bis zu 25 Jahren geahndet. Die diesbezüglichen Kontrollen sind sehr streng. Dazu können auch Röntgenkontrollen gehören, wenn ein Verdacht besteht, dass Drogen im Körperinnern transportiert werden.

Die Haftbedingungen sind sehr prekär: Überfüllte Zellen, schlechte Behandlung, mangelhafte Ernährung, verschmutztes Trinkwasser, mangelnde Hygiene, Tuberkulose-Ansteckungsgefahr, Gewalt unter den Inhaftierten etc.

Naturbedingte Risiken

Von Mai bis November können die Inseln und Küstengebiete von Ausläufern von Hurrikanen heimgesucht werden. Im Extremfall können solche Stürme Überschwemmungen, Erdrutsche und Infrastrukturschäden verursachen. Auch der Reiseverkehr kann vorübergehend beeinträchtigt werden. Beachten Sie die Wettervorhersagen sowie die Warnungen der Behörden.
Weltorganisation für Meteorologie (WMO)

Der nordöstliche Teil des Landes, einschliesslich Caracas, liegt in einem Erdbebengebiet.

Sollte sich während Ihres Aufenthalts eine Naturkatastrophe ereignen, melden Sie sich möglichst rasch bei Ihren Angehörigen und befolgen Sie die Anweisungen der Behörden. Sind die Verbindungen ins Ausland unterbrochen, kontaktieren Sie die Schweizerische Botschaft in Caracas.

Medizinische Versorgung

Selbst in den Grossstädten ist die medizinische Versorgung oftmals nicht gewährleistet. In vielen öffentlichen Krankenhäusern sind die hygienischen Verhältnisse prekär. Engpässe in der Versorgung mit Medikamenten kommen in den öffentlichen und privaten Krankhäusern vor. Ernsthafte Erkrankungen und Verletzungen müssen im Ausland (USA oder Europa) behandelt werden. Krankenhäuser verlangen eine Vorschusszahlung (Bargeld, Kreditkarte) bevor sie Patienten aufnehmen und behandeln.

Wenn Sie auf bestimmte Medikamente angewiesen sind, sollte Ihre Reiseapotheke einen ausreichenden Vorrat enthalten. Bedenken Sie jedoch: In vielen Ländern gelten besondere Vorschriften für die Mitnahme von betäubungsmittelhaltigen Medikamenten (z.B. Methadon) und Substanzen, mit denen psychische Erkrankungen behandelt werden. Erkundigen Sie sich gegebenenfalls vor der Abreise direkt bei der zuständigen ausländischen Vertretung (Botschaft oder Konsulat) und konsultieren Sie die Rubrik Reiselinks, wo Sie unter anderem weitere Informationen zu diesem Thema sowie generell zur Reisemedizin finden.  Über die Verbreitung von Krankheiten und mögliche Schutzmassnahmen informieren Ärzte und Impfzentren.

Nützliche Adressen

Allgemeine Notruf-Nummern:
vom Festnetz: 171
vom Mobiltelefonbetreiber Digitel: 112
vom Mobiltelefonbetreiber Telcel: *911
vom Mobiltelefonbetreiber Movilnet: *1

Schweizer Vertretungen im Ausland: Wenn Sie im Ausland in eine Notlage geraten, können Sie sich an die nächste Schweizer Vertretung oder an die Helpline EDA wenden.
Schweizer Botschaft in Caracas
Helpline EDA

Ausländische Vertretungen in der Schweiz: Auskunft über die Einreisevorschriften (zugelassene Ausweise, Visum etc.) erteilen die zuständigen ausländischen Botschaften und Konsulate. Sie informieren auch über die Zollbestimmungen für die Ein- und Ausfuhr von Tieren und Waren: elektronische Geräte, Souvenirs, Medikamente etc.
Ausländische Vertretungen in der Schweiz

Ausschluss der Haftung
Die Reisehinweise des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) stützen sich auf eigene, als vertrauenswürdig eingeschätzte Informationsquellen. Sie verstehen sich als nützliche Hinweise zur sorgfältigen Planung einer Reise. Das EDA kann Reisenden aber den Entscheid und die Verantwortung für die Vorbereitung und Durchführung der Reise nicht abnehmen.
Gefahrensituationen sind oft nicht vorhersehbar, unübersichtlich und können sich rasch ändern. Das EDA übernimmt keine Gewähr für die Vollständigkeit der Reisehinweise und lehnt jede Haftung für allfällige Schäden im Zusammenhang mit einer Reise ab. Forderungen im Zusammenhang mit der Annullierung einer Reise sind direkt beim Reisebüro oder der Reiseversicherung geltend zu machen.