Von der Nansen Initiative zur Platform on Disaster Displacement

Ein Mann fährt ein dreirädriges Fahrrad, eine Frau sitzt auf der Ladefläche neben einem Stapel von Gepäck.
Die Nansen Initiative wie die Platform on Disaster Displacement zielen darauf ab, den Schutz von Menschen zu verbessern, die infolge einer Naturkatastrophe ins Ausland flüchten. © IOM Bangladesh ©

Die Schweiz hat gemeinsam mit Norwegen 2012 die Nansen Initative lanciert, um den Schutz von Menschen zu verbessern, die aufgrund von Naturkatastrophen ins Ausland flüchten. Mit der Plattform on Disaster Displacement wird die Schutzagenda in einer nächsten Phase nun umgesetzt.

Die Nansen Initiative, die im Oktober 2012 von der Schweiz und Norwegen gemeinsam lanciert wurde, kam Ende 2015 formell zum Abschluss. Die Initiative zielte darauf ab, den Schutz von Menschen zu verbessern, die aufgrund von Naturkatastrophen ins Ausland flüchteten.

Platform on Disaster Displacement

In einem nächsten Schritt geht es darum, die Schutzagenda, welche die Erkenntnisse und Schlussfolgerungen der Nansen Initiative enthält, umzusetzen. Dafür wurde ein Nachfolgemechanismus geschaffen, die Plattform on Disaster Displacement, welcher am World Humanitarian Summit im Mai 2016 in Istanbul lanciert  und im Juli 2016 seine Arbeit unter der Präsidentschaft von Deutschland aufnehmen wird. Die Schweiz wird sich auch in Zukunft aktiv zum Thema engagieren und als Mitglied der Plattform die Umsetzung der Schutzagenda unterstützen.

Platform on Disaster Displacement (en)

Dürren, Überflutungen, Orkane, Erdbeben und andere Naturkatastrophen vertreiben jährlich Millionen von Menschen aus ihrer Heimat. Konkret waren dies seit 2008 rund 203 Millionen Menschen, d.h. jährlich rund 25 Millionen Menschen oder eine Person pro Sekunde.

Viele finden im eigenen Land Schutz, andere müssen ins Ausland flüchten.  Klimaforschende gehen davon aus, dass solche Flucht- und Migrationsbewegungen in Zukunft durch den Klimawandel verstärkt werden.

IDMC Disaster Displacement (en) 

Lücken beim Schutz der Betroffenen

Die UNO-Leitprinzipien zu internen Vertreibungen und regionale Instrumente schützen Betroffene, die im eigenen Land bleiben. Bei grenzüberschreitenden, durch Naturkatastrophen ausgelösten Fluchtbewegungen bestehen dagegen rechtliche Schutzlücken. Diese Menschen fallen nicht unter die Flüchtlingskonvention von 1951, und die Menschenrechte regeln entscheidende Aspekte wie die Einreise, den Aufenthalt und die Grundrechte der Betroffenen nicht.

UNO-Leitprinzipien zu internen Vertreibungen (en)

Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge

Zudem gibt es zurzeit keine internationale Agentur oder Organisation, welche sich explizit um den Schutz und die Unterstützung der Betroffenen kümmert.

Des Weiteren erschweren fehlende Daten und allgemeine Wissenslücken in Bezug auf grenzüberschreitende Vertreibungen im Rahmen von Naturkatastrophen die Konzeption von geeigneten Massnahmen. Beispielsweise ist bis heute nicht bekannt, welche Rolle Naturkatastrophen, namentliche die Dürre von 2008-2010, in Bezug auf die aktuelle Flüchtlingsbewegung aus Syrien spielen.

Diese Lücken führen dazu, dass der Schutz und die Unterstützung von Menschen, welche aufgrund von Naturkatastrophen vertrieben werden, oftmals ad hoc und ungenügend ist. 

Nansen Initiative und Schutzagenda

Vor diesem Hintergrund hat die Schweiz die Nansen Initiative lanciert, um im Rahmen von umfassenden Konsultationen zusammen mit betroffenen Staaten, internationalen Organisationen und der Zivilgesellschaft eine Schutzagenda zu entwickeln. Diese Schutzagenda wurde im Oktober 2015 in Genf der internationalen Gemeinschaft präsentiert und von 109 Staaten verabschiedet. Sie listet Massnahmen und «effective practices» («tool box approach») in den relevanten Bereichen auf, darunter die Katastrophenvorsorge, die Anpassung an den Klimawandel oder die humanitäre Aktion.

Nansen Initiative (en) 

Schutzagenda (en)

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