Die Schweiz leitet ihre Nothilfe in Gaza ein

Bern, Medienmitteilung, 29.01.2009

Erstmals seit Ausbruch des bewaffneten Konfliktes vom 27.12.2008 hat gestern ein Team der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) des EDA Zugang zu Gaza erhalten. Insgesamt sind derzeit drei Teams im Einsatz, um die Nothilfe der Schweiz in Gaza einzuleiten.

Drei Personen reisten über den Kontrollpunkt Erez im Norden ein. Zusammen mit einem lokalen DEZA-Mitarbeiter und den Partnernetzwerken klären sie derzeit die humanitären Bedürfnisse ab und leiten die Nothilfe für die palästinensische Bevölkerung ein. Der Zugang zu Gaza bleibt für Personen wie Güter stark eingeschränkt und ist nur mit Bewilligung der israelischen (Übergänge Erez und Kerem Shalom) respektive ägyptischen Behörden (Übergang Rafah) möglich.

Der Fokus der Humanitären Hilfe in Gaza liegt gegenwärtig auf der Grundversorgung in den Bereichen Wasser, Nahrung, Medizin und Obdach. Schulen und psychologische Unterstützung, insbesondere für die Kinder, sind weitere Prioritäten. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums hat der bewaffnete Konflikt 1314 Todesopfer gefordert, unter ihnen 412 Kinder; 5300 Personen wurden verletzt. Die öffentliche Infrastruktur ist schwer beschädigt und Zehntausende von Menschen haben ihre Wohnungen verloren.

Es ist vorgesehen, zwanzig palästinensische Kleinkinder, die spezialisierte medizinische Behandlung benötigen, aus Gaza ins Caritas Baby Hospital nach Bethlehem zu überführen. Das Caritas Baby Hospital ist das einzige Spital im Besetzten Palästinensischen Gebiet, das auf Kleinkinder spezialisiert ist. Die Bewilligungen liegen noch nicht vor.

Ein erster Transport mit Schweizer Hilfsgütern ist an der ägyptisch-israelischen Grenze angelangt. Die Hilfsgüter stehen seit zwei Tagen zur Einfuhr nach Israel bereit. Die Weiterfahrt ist für morgen Sonntag geplant. Dies wird eine der ersten Hilfslieferungen nicht-medizinischer Güter via Ägypten sein, die einen von der UNO eingerichteten Transportkanal benutzen. Weitere Güter wie Nahrungsmittel, Hygieneartikel, Matratzen und Plastikplanen werden gegenwärtig in Kairo beschafft und für den Transport vorbereitet. Dazu ist ein dreiköpfiges Logistik-Team der DEZA in Ägypten im Einsatz. Zusätzlich werden aus Jordanien in Zusammenarbeit mit der Jordan Hashemite Charity Organisation über 4000 Matratzen geliefert.

In Kairo eingetroffen sind Fixatoren für die Behandlung von Brüchen, die für das Shifa Spital in Gaza Stadt bestimmt sind. Die Firmen Synthes und Stryker sowie das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) haben diese Lieferung ermöglicht. Das Berner Ziegler-Spital übernahm die Sterilisation und Verpackung vor dem Abtransport. Ein dreiköpfiges Team des Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe (SKH) wird das Material via Ägypten nach Gaza bringen, sobald die Einreisebewilligungen vorliegen.

Insgesamt sind derzeit drei Soforteinsatzteams (SET) der Humanitären Hilfe des Bundes mit zehn Personen im Einsatz. Ein weiterer Schweizer wurde für drei Monate dem UNO-Welternährungsprogramm als Logistik-Experte zur Verfügung gestellt. Für die aktuelle Krise in Gaza hat die DEZA bisher zusätzlich CHF 4.25 Mio. eingesetzt. Davon gehen CHF 3 Mio. an das UNO-Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge (UNWRA), für CHF 1 Mio kauft die DEZA selber Hilfsgüter ein. Das reguläre Budget für das Besetzte Palästinensische Gebiet beträgt CHF 21 Mio. pro Jahr.


Adresse für Rückfragen:

Toni Frisch, stv. Direktor DEZA und Delegierter für die Humanitäre Hilfe des Bundes, +41 79 415 27 54 bzw. +41 31 889 04 84


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Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten