Bilaterale Beziehungen Schweiz–Belgien

Die Schweiz und Belgien haben einige Gemeinsamkeiten: die Mehrsprachigkeit, zwei gemeinsame Landessprachen, den föderalistischen Staatsaufbau sowie eine vergleichbare Fläche und Einwohnerzahl. Zudem sind beide Sitzstaat zahlreicher internationaler Institutionen. Die Länder pflegen einen regen diplomatischen, wirtschaftlichen und kulturellen Austausch. Die Schweiz geniesst ein gutes Image und wird als Feriendestination geschätzt.

Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen

Die Schweiz und Belgien arbeiten sowohl bilateral als auch multilateral in verschiedenen Bereichen zusammen, etwa in der Wissenschaft, in der Entwicklungszusammenarbeit, im Kampf gegen den Terrorismus und in Migrationsfragen. Die beiden Länder unterstützen sich oft gegenseitig bei Kandidaturen für internationale Organisationen.

Datenbank Staatsverträge

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Die Schweiz und Belgien unterhalten rege Wirtschaftsbeziehungen. Das Handelsvolumen betrug 2017 rund 9,3 Milliarden Franken. Die wichtigsten Handelsgüter sind Edelmetalle, Edelsteine, Pharmazeutika, Brennstoffe, Fahr- und Flugzeuge.

Schweizer Firmen sind in Belgien vor allem in den Bereichen Nahrungsmittel, Industrie, Zement, Pharmazeutika, Uhren, Logistik, sowie im Finanz- und Versicherungssektor tätig. Ausserdem ist die Schweiz ein beliebtes Reiseziel für belgische Touristen. Der Hafen von Antwerpen, der zweitgrösste in Europa nach Rotterdam, ist für die Handelsbeziehungen und die Landesversorgung der Schweiz von zentraler Bedeutung.

Handelsförderung, Switzerland Global Enterprise

Länderinformationen, Staatssekretariat für Wirtschaft SECO

Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation

Beide Länder beteiligen sich an verschiedenen multilateralen Übereinkommen. Zudem gibt es diverse bi- und multilaterale Kooperationsabkommen zwischen Universitäten beider Länder sowie Direktkontakte zwischen Schweizer Kantonen und belgischen Gemeinden.

Schweizer Hochschulen, insbesondere die beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen, sind beliebt bei belgischen Studierenden. Darüber hinaus besteht eine bedeutende projektbezogene Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern und Forschenden der beiden Länder, insbesondere in den EU-Forschungsrahmenprogrammen.

Über die Eidgenössische Stipendienkommission für ausländische Studierende (ESKAS) vergibt die Schweiz jedes Jahr Exzellenzstipendien an belgische Studierende. Forschende und Kunstschaffende aus Belgien können sich über die Schweizer Botschaft in Brüssel beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) um ein Stipendium bewerben.

Bundes-Exzellenz-Stipendien für ausländische Forschende und Kunstschaffende, SBFI

Kulturaustausch

Die beiden Länder unterhalten enge kulturelle Beziehungen, namentlich in den Bereichen Musik, Tanz, bildende Kunst, Film, Theater und Festivals. Highlights der letzten Jahre waren die 2004 vom «Palais des Beaux-Arts de Bruxelles» präsentierte Ausstellung über Hans Arp, Ausstellungen über Paul Klee (2008) und Le Corbusier (2013) sowie eine Ausstellung über das schweizerische Comicschaffen, die 2014 im belgischen Comic-Zentrum (Centre Belge de la Bande Dessinée) gezeigt wurde. In den Jahren 2013 und 2014 befasste sich eine Vortragsreihe mit der Stellung und der Rolle der «kleinen Sprachen»: dem Rätoromanischen in der Schweiz und der deutschen Sprache in Belgien.

Die Schweizer Botschaft fördert mit verschieden Anlässen und Projekten Schweizer Kulturschaffen in Belgien.

Schweizerinnen und Schweizer in Belgien

Ende 2017 lebten gemäss Auslandschweizerstatistik 7834 Schweizerinnen und Schweizer in Belgien, davon 5‘620 Doppelbürger.

Auslandschweizerstatistik, EDA

Geschichte der bilateralen Beziehungen

1840 eröffnete Belgien eine Botschaft in der Schweiz, die Schweizer Botschaft in Brüssel wurde 1918 eröffnet. König Albert I. führte die königliche Familientradition fort und hielt sich regelmässig in der Schweiz auf. 1945–50 lebte Leopold III. mit seiner Familie in der Schweiz. Er setzte nach der Thronbesteigung als König Baudouin I. (1951) die Pflege der guten Beziehungen zur Schweiz fort und wurde 1989 zu einem Staatsbesuch in der Schweiz empfangen. Elf Jahre später, am 21. und 22. November 2000, weilte König Albert II. auf Staatsbesuch in der Schweiz. Sein ältester Sohn Philippe, der nach der Abdankung von König Albert II. am 21. Juli 2013 als König der Belgier inthronisiert wurde, setzt diese Tradition fort.

Belgien, Historisches Lexikon der Schweiz