Bilaterale Beziehungen Schweiz–Ghana

Die Schweiz und Ghana unterhalten gute Beziehungen und blicken auf einen langjährigen, für beide Seiten fruchtbaren Austausch zurück. Die Schwerpunkte der Beziehungen sind der rege Handel, insbesondere mit Edelmetalle und Kakao, und die wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen

Im Jahr 2017 hat die amtierende Bundespräsidentin Doris Leuthard Ghana einen Staatsbesuch abgestattet, wo sie Präsident Nana Akufo-Addo getroffen hat. Früher im Jahr hatte er sich bereits mit Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann im Rahmen des Africa CEO Forum im Genf getroffen. Im Jahr 2010 wurde der ghanaische Präsident John Evans Atta Mills in der Schweiz für einen offiziellen Besuch empfangen. Ausserdem kam die ehemalige Aussenministerin, Hanna Tetteh, 2015 für offizielle Gespräche nach Bern.

Die schweizerische Botschaft in Akkra unterstützt Ghana mit Projekten im Bereich der guten Regierungsführung und der Konfliktprävention. Sie zeigt damit ihre Wertschätzung für die demokratische Kultur Ghanas und die führende Rolle des Landes in diesem Bereich.

Die Schweiz und Ghana haben eine Reihe von bilateralen Abkommen getroffen: 1991 über die Förderung und den Schutz von Investitionen, im Juli 2008 ein Abkommen über die Vermeidung von Doppelbesteuerung bei Einkommens- und Vermögenssteuern und im August 2010 ein Abkommen über Luftverkehrslinien und geistige Eigentumsrechte. Im 2015 wurde ein Memorandum of Understanding abgeschlossen, welches die jährlich stattfindenden politischen Konsultationen formell festhielt.

Datenbank Staatsverträge

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Ghana ist der wichtigste Handelspartner der Schweiz in Subsahara-Afrika. Im Jahr 2016 verzeichnete die Schweiz mit Ghana ein Handelsvolumen von 2,38 Mia. CHF (Einfuhr in die Schweiz 2,31 Mia. CHF und Ausfuhr aus der Schweiz 34,2 Millionen CHF). Die Schweiz importiert Gold im Wert von 2,3 Milliarden CHF aus Ghana. Sie setzt sich in diesem Zusammenhang in Ghana für eine bessere Einhaltung der Menschenrechte in der Rohstoffförderung ein. Ausserdem ist Ghana der wichtigste Kakao- und der zweitwichtigste Ananaslieferant der Schweiz.

Die Schweizer Exporte nach Ghana bestehen zum Grossteil aus Pharmazeutika, Maschinen, insbesondere Ausrüstung zur Lebensmittelverarbeitung (Getreideverarbeitung, Kakao, Schokolade) und Schönheitsmittel. 

Handelsförderung Switzerland Global Enterprise

Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation

Ghanaische Studenten können von den MOOCs (Massive Open Online Course der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne) profitieren. 2016 waren 4000 Studenten dafür eingeschrieben.

Forschende und Kulturschaffende aus Ghana können sich beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) um Bundes-Exzellenz-Stipendien bewerben.

Bundes-Exzellenz-Stipendien für ausländische Forschende und Kunstschaffende, SBFI

Friedensförderung und Menschliche Sicherheit

Die Schweiz ist einer der drei Hauptsponsoren des Kofi Annan International Peacekeeping Training Centres (KAIPTC) in Teshie (Akkra). Seit mehr als einem Jahrzehnt unterrichten mehrere Angehörige der Schweizer Armee am KAIPTC. Die Unterstützung der Schweiz  trägt dazu bei, dass das KAIPTC seine Funktion als Kompetenzzentrum im Bereich der zivilen und militärischen Friedensförderung wahrnehmen kann. Das Zentrum betreibt Forschung und bietet Trainingsprogramme an. Seit 2003 hat das KAIPTC über 170 Kurse in den verschiedensten Bereichen von Peacekeeping durchgeführt.

Kofi Annan International Peacekeeping Training Centre (en)

Entwicklungszusammenarbeit

Seit 2010 gilt Ghana als Land mittleren Einkommens (middle income country). Ghana zählt zu den Schwerpunktländern für die wirtschaftliche Zusammenarbeit des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO). Die Unterstützung des SECO hat zum Ziel, zum nachhaltigen Wachstum der Wirtschaft und zur Bekämpfung der Armut beizutragen. Ein spezieller Fokus der SECO-Tätigkeit liegt in der Unterstützung Ghanas, seine Wirtschaft in den Weltmarkt zu integrieren, die Chancen der Globalisierung zu ergreifen und deren negative Auswirkungen zu entschärfen.

Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf folgende Bereiche:

  • Makroökonomie: allgemeine Budgethilfen und damit verbundene technische Assistenz in der öffentlichen Finanzverwaltung
  • Privatsektor: Verbesserung des Geschäfts- und Investitionsklimas und Einführung innovativer Finanzierungsformen
  • Handelsförderung: Ausarbeitung von handelspolitischen Rahmenbedingungen und Stärkung der Wertschöpfungskette für Exportwaren
  • Infrastruktur: Massnahmen im Elektrizitätssektor, um die Betriebseffizienz des führenden öffentlichen Elektrizitätsversorgers Ghanas zu verbessern und die Reichweite auf benachteiligte, arme Regionen auszudehnen.

SECO: Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Schweizerinnen und Schweizer in Ghana

Ende 2016 lebten 435 Schweizerinnen und Schweizer in Ghana.

Geschichte der bilateralen Beziehungen

Die Schweiz anerkennt die Republik Ghana seit dem 6. März 1957, dem Tag der ghanaischen Unabhängigkeit. Die beiden Länder nahmen 1960 diplomatische Beziehungen auf.

Die Schweizer Präsenz in Ghana geht jedoch weiter zurück: Bereits 1828 liessen sich Schweizer Missionare der Basler Mission an der damaligen «Goldküste» nieder. Die Arbeit der Basler Mission lebt heute in der Presbyterian Church of Ghana und ihren Schulen und Spitälern fort. Die Missionare brachten auch die Kakaopflanze ins Land. Heute bezieht die Schweiz über 47% ihres Kakaobedarfs aus Ghana.

Ghana, historisches Lexikon der Schweiz