Valid on:
Published on: 11.08.2017

Reisehinweise für Äthiopien

Diese Reisehinweise entsprechen der aktuellen Lagebeurteilung des EDA. Sie werden laufend überprüft und bei Bedarf angepasst.
Beachten Sie auch die nebenstehenden länderunabhängigen Reiseinformationen und die Fokus-Themen; sie sind Bestandteil dieser Reisehinweise.

Grundsätzliche Einschätzung

Bei Reisen nach Äthiopien ist der persönlichen Sicherheit grosse Aufmerksamkeit zu schenken. Es besteht das Risiko von bewaffneten Zusammenstössen und Überfällen.

Halten Sie sich bei Überlandfahrten an die Hauptstrassen und informieren Sie sich bei den lokalen Behörden über die Sicherheitslage auf der geplanten Reiseroute. Es wird empfohlen, sich von einer ortskundigen lokalen Vertrauensperson begleiten zu lassen.

Meiden Sie im ganzen Land Demonstrationen jeder Art. Tragen Sie immer Ihren Pass auf sich, um sich bei den häufigen Kontrollen ausweisen zu können.

Nach schweren Unruhen in den Regionen Oromia, Harar, Dire Dawa und Amhara verhängte die Regierung im Oktober 2016 den Ausnahmezustand über das ganze Land. Dieser ist Anfang August 2017 wieder aufgehoben worden. In den genannten Regionen sind Unruhen weiterhin möglich. Siehe Kapitel spezifische regionale Risiken.

Auch in Addis Abeba bestehen politische Spannungen und Demonstrationen können jederzeit vorkommen. Im ganzen Land können bei Demonstrationen Ausschreitungen und Gewaltanwendung nicht ausgeschlossen werden.

Im Falle von Strassensperren bleibt den Reisenden nichts Anderes übrig, als sich lokal über alternative Reisemöglichkeiten zu erkundigen und gegebenenfalls die Normalisierung der Lage abzuwarten. Die schweizerische Botschaft Addis Abeba hat bei Blockaden nur eng begrenzte - je nach Situation gar keine - Möglichkeiten zur Unterstützung der Ausreise aus den betroffenen Regionen.

Das Risiko von Anschlägen besteht im ganzen Land. Seit Januar 2017 sind in der Region Amhara wiederholt Anschläge verübt worden. Lassen Sie Vorsicht walten, besonders an öffentlichen Orten wie Märkten, Busbahnhöfen, Kirchen, in der Umgebung von diplomatischen Vertretungen und Regierungsgebäuden, an Veranstaltungen und an sämtlichen von Ausländern häufig frequentierten Orten wie Einkaufszentren, Restaurants etc. Beachten Sie die Rubrik
Terrorismus und Entführungen

Spannungen zwischen verschiedenen Volksgruppen und der Kampf um Wasser und Weideland können in den Migrationsgebieten der nomadisierenden Viehbesitzer im Tiefland zu gewaltsamen Auseinandersetzungen führen, die oft erst durch den Einsatz der Sicherheitskräfte beendet werden können.

Spezifische regionale Risiken

Bei der Beschreibung von Gefahrenzonen handelt es sich um ungefähre Angaben; Risiken lassen sich nicht auf exakt umrissene Gebiete einschränken.

Regionen Oromia, Harar, Dire Dawa und Amhara:
Zwischen November 2015 und November 2016 kam es zu gewalttätigen Zusammenstössen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten, die immer wieder Todesopfer und Verletzte forderten. Die Unruhen breiteten sich kontinuierlich aus, unter anderem auf die Touristenorte um den Langano-See sowie auf Gondar, Bahir Dar und Debre Zeit (Bishoftu). Wiederholt wurden Brandanschläge gegen Firmen verübt, die sich in ausländischem Besitz befinden. Die Präsenz von Sicherheitskräften ist hoch. Seit Januar 2017 sind in der Region Amhara wiederholt Anschläge gegen Hotels und andere Ziele verübt worden, namentlich in Gondar und Bahir Dar. Dabei sind mehrere Personen getötet oder verletzt worden.
Trotz einer vordergründigen Beruhigung im Sommer 2017 bleibt die Lage gespannt. Erneute Anschläge, Unruhen, Demonstrationen und Ausschreitungen sind jederzeit möglich. Im Falle von Unruhen muss mit lokalen Strassensperren gerechnet werden, die mehrere Tage dauern können und bei denen es zu gewaltsamen Zusammenstössen kommen kann. Das Risiko, unversehens in eine gewaltsame Auseinandersetzung zu geraten, ist nicht auszuschliessen. In ländlichen Gebieten haben bewaffnete Überfälle auf Fahrzeuge wiederholt Todesopfer gefordert.
Erkundigen Sie sich vor Reisen in die Regionen Oromia, Harar, Dire Dawa und Amhara bei den lokalen Behörden und Ihrem Reiseveranstalter über die aktuelle Sicherheitslage
und über die Durchführbarkeit der geplanten Reise. Lassen Sie sich von einer ortskundigen lokalen Vertrauensperson begleiten, und lassen Sie grösste Vorsicht walten. Meiden Sie Kundgebungen und Massenveranstaltungen jeder Art und befolgen Sie die Anweisungen der lokalen Behörden.

Grenzgebiet zu Eritrea (einschliesslich nördliche Afar-Region):
Die Lage im Grenzgebiet zu Eritrea bleibt trotz des Friedensabkommens vom Jahr 2000 militärisch gespannt. Die Grenzübergänge zwischen Äthiopien und Eritrea sind geschlossen. Im Juni 2016 kam es im Grenzgebiet bei Zalambessa und Tsorona zu schweren Kämpfen zwischen äthiopischen und eritreischen Truppen. Im Januar 2012 wurden bei einem Überfall auf eine Reisegruppe in der Danakil-Ebene fünf europäische Touristen getötet und mehrere verletzt. Zwei Touristen wurden entführt und im März 2012 wieder freigelassen.
Die Strasse, die den Krater Dallol mit dem Vulkan Erta Ale sowie der Stadt Logia verbindet, kann vermint sein. Im April 2009 fuhr in der Nähe des Vulkans Erta Ale ein Touristenfahrzeug auf eine Mine und explodierte. Dabei kamen zwei Menschen ums Leben und zwei weitere wurden verletzt.
Von Reisen ins Grenzgebiet zu Eritrea wird abgeraten, einschliesslich die nördliche Afar-Region samt Danakil-Ebene.

Grenzgebiete zu Kenia, Sudan und Südsudan:
In diesen Gebieten sind bewaffnete Oppositionsgruppen und Banditen aktiv und es bestehen Konflikte zwischen verfeindeten Ethnien. Im April 2016 sind solche Konflikte im Nordwesten Gambella aufgeflammt und haben über 200 Todesopfer gefordert. Ausserdem sind zahlreiche einheimische Personen entführt worden. Seit Dezember 2016 kommt es in der Region Benishangul Gumuz vermehrt zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Meiden Sie die Grenzgebiete zu Kenia, Sudan und Südsudan grossräumig, inkl. Region Gambella.

Osten des Landes (Somali Region/Ogaden):
Die Sicherheitslage ist in diesem Landesteil volatil. 2010 kam es zu Gefechten zwischen der äthiopischen Armee und verschiedenen Rebellengruppen der Ogaden National Liberation Front (ONLF). Auch besteht das Risiko von Anschlägen, die durch Rebellengruppen aus Eritrea und Somalia verübt werden. Gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Stämmen sind ebenfalls möglich. Zudem besteht Minengefahr und das Risiko von Entführungen.
Von Reisen in das Gebiet südlich des 9. Breiten- und östlich des 42. Längengrades wird abgeraten.

Region SNNPR (Southern Nations, Nationalities and Peoples):
Die Kriminalitätsrate in der Region SNNPR ist hoch. Wiederholt sind gewalttätige Überfälle auf Touristen verübt worden, zum Beispiel:

  • Anfang November 2016 wurde in der Nähe von Surma Woreda eine Gruppe von Touristenfahrzeugen überfallen. Eine Person wurde verletzt und der lokale Fahrer wurde getötet.
  • Im März 2014 wurden zwei europäische Touristen Opfer eines bewaffneten Raubüberfalls zwischen der Stadt Arba Minch und Jinka.
  • Im Januar 2014 wurden drei Europäer westlich des Omo National Parks während einer Autopanne Opfer eines Raubüberfalls.

Lassen Sie in der Region SNNPR besondere Vorsicht walten. Reisen Sie in Gruppen von mehreren Fahrzeugen und lassen Sie sich von einem ortskundigen lokalen Führer begleiten. Vergewissern Sie sich, dass der Reiseführer die Sicherheitslage kurzfristig abgeklärt hat, und befolgen Sie die Anweisungen der lokalen Behörden.

Kriminalität

Infolge der verbreiteten Armut und der hohen Arbeitslosigkeit hat die Kleinkriminalität in den Städten zugenommen. Anfang Januar 2013 wurde  ein Tourist bei einem Überfall mit wahrscheinlich kriminellem Hintergrund in der Nähe von Bahir Dar (Region Blue Nile) getötet. Gewaltakte dieser Art sind in dieser Region bisher selten vorgekommen. Beachten Sie, nebst den üblichen Vorsichtsmassnahmen gegen Entreiss- und andere Diebstähle, auch folgende Punkte:

  • Die Benutzung von individuellen Taxis ist den öffentlichen Transportmitteln und den Sammeltaxis (Minibussen) vorzuziehen.
  • Wegen der Gefahr von Banditenüberfällen ist nach Einbruch der Dunkelheit auf Überlandfahrten zu verzichten.
  • In Addis Abeba sollten Sie nachts nicht alleine und ausschliesslich im Auto resp. im Taxi unterwegs sein.
  • Leisten Sie bei einem Überfall keinen Widerstand, denn die Gewaltbereitschaft ist hoch.

Verkehr und Infrastruktur

Der Zustand der Hauptstrassen ist allgemein gut. Die Risiken auf den Strassen kommen in der Regel vom unberechenbaren Verhalten der zahlreichen Fussgänger und anderer Verkehrsteilnehmer sowie von streunenden Tieren (Kühe, Esel, Ziegen etc.). Von nächtlichen Überlandfahrten wird abgeraten. Während der Regenzeit (Juni bis Oktober) können die nicht asphaltierten Strassen auch für Geländefahrzeuge unpassierbar werden.

Für lange Überlandstrecken bieten die vor allem im nördlichen Touristengebiet gut ausgebauten Flugverbindungen eine Alternative.

Es kommt vor, dass in einzelnen Gebieten die Mobiltelefonverbindungen und der Zugang zum Internet vorübergehend nicht gewährleistet sind.

Besondere rechtliche Bestimmungen

Es ist verboten, uniformierte Personen, militärische Einrichtungen und öffentliche Bauten (Flughäfen, Brücken usw.) zu fotografieren. Gleichgeschlechtliche Handlungen sind strafbar. Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz werden mit langjährigen Haftstrafen geahndet. Die Haftbedingungen sind prekär (überfüllte Gefängnisse, ungenügende hygienische Verhältnisse und medizinische Versorgung etc.).

Verstösse gegen die Zollbestimmungen werden sehr strikt geahndet und können mit Gefängnis bestraft werden. Erkundigen Sie sich bei der Botschaft von Äthiopien in Genf über die genauen Bestimmungen zur Ein- und Ausfuhr von

  • Geld (in der Landes- und in Fremdwährung),
  • elektronischen Geräten,
  • Gegenständen, die dem äthiopischen kulturellen Erbe zuzurechnen sind (z.Bsp. Kreuze, Ikonen, Holzarbeiten, Bibeln, Bücher etc.) sowie von Naturmaterialien
  • Edelmetallen (Gold, Silber etc.)

Kulturelle Besonderheiten

Die Bevölkerung setzt sich aus verschieden ethnischen Gruppen zusammen und ist mehrheitlich christlich-orthodoxen oder muslimischen Glaubens. Passen Sie Kleidung und Verhalten den örtlichen Gepflogenheiten an. Fotografieren Sie Personen nur mit deren Einverständnis.

Naturbedingte Risiken

Saisonbedingte Waldbrände kommen landesweit immer wieder vor.

Äthiopien zählt mehrere Vulkane. Der Erta Ale in der Afar-Region gilt als einer der aktivsten Vulkane der Welt. In diesem Gebiet kommen ausserdem häufig kleinere Erdbeben vor.

Sollte sich während Ihres Aufenthalts eine Naturkatastrophe ereignen, melden Sie sich möglichst rasch bei Ihren Angehörigen und befolgen Sie die Anweisungen der Behörden. Sind die Verbindungen ins Ausland unterbrochen, kontaktieren Sie die Schweizer Botschaft in Addis Abeba.

Medizinische Versorgung

Die medizinische Versorgung ist selbst in Addis Abeba nur beschränkt gewährleistet. Krankenhäuser verlangen eine finanzielle Garantie, bevor sie Patienten behandeln (Vorschusszahlung). Ernsthafte Krankheiten und Verletzungen werden mit Vorteil im Ausland behandelt.
Wenn Sie auf bestimmte Medikamente angewiesen sind, sollte Ihre Reiseapotheke einen ausreichenden Vorrat enthalten. Bedenken Sie jedoch: In vielen Ländern gelten besondere Vorschriften für die Mitnahme von betäubungsmittelhaltigen Medikamenten (z.B. Methadon) und Substanzen, mit denen psychische Erkrankungen behandelt werden. Erkundigen Sie sich gegebenenfalls vor der Abreise direkt bei der zuständigen ausländischen Vertretung (Botschaft oder Konsulat) und konsultieren Sie die Rubrik Reiselinks, wo Sie unter anderem weitere Informationen zu diesem Thema sowie generell zur Reisemedizin finden.
Über die Ausbreitung von Krankheiten und mögliche Schutzmassnahmen informieren Ärzte und Impfzentren.

Nützliche Adressen

Zollvorschriften: Ethiopian Revenues and Customs Authority

Schweizer Vertretungen im Ausland: Wenn Sie im Ausland in eine Notlage geraten, können Sie sich an die nächste Schweizer Vertretung oder an die Helpline EDA wenden.
Schweizer Botschaft in Addis Abeba
Helpline EDA

Ausländische Vertretungen in der Schweiz: Auskunft über die Einreisevorschriften (zugelassene Ausweise, Visum etc.) erteilen die zuständigen ausländischen Botschaften und Konsulate. Sie informieren auch über die Zollbestimmungen für die Ein- und Ausfuhr von Tieren und Waren: elektronische Geräte, Souvenirs, Medikamente etc.
Ausländische Vertretungen in der Schweiz

Ausschluss der Haftung
Die Reisehinweise des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) stützen sich auf eigene, als vertrauenswürdig eingeschätzte Informationsquellen. Sie verstehen sich als nützliche Hinweise zur sorgfältigen Planung einer Reise. Das EDA kann Reisenden aber den Entscheid und die Verantwortung für die Vorbereitung und Durchführung der Reise nicht abnehmen.
Gefahrensituationen sind oft nicht vorhersehbar, unübersichtlich und können sich rasch ändern. Das EDA übernimmt keine Gewähr für die Vollständigkeit der Reisehinweise und lehnt jede Haftung für allfällige Schäden im Zusammenhang mit einer Reise ab. Forderungen im Zusammenhang mit der Annullierung einer Reise sind direkt beim Reisebüro oder der Reiseversicherung geltend zu machen.