Bilaterale Beziehungen Schweiz–Frankreich

Die Beziehungen zwischen der Schweiz und Frankreich sind vielfältig und intensiv, besonders in den Grenzregionen. Die beiden Ländern sind durch eine gemeinsame Sprache sowie den wirtschaftlichen, kulturellen und menschlichen Austausch verbunden.

Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen

Frankreich als Nachbarland und Gründungsmitglied der Europäischen Union (EU) ist ein prioritärer Partner der Schweizer Aussenpolitik. Zahlreiche bilaterale Abkommen sowie die Beziehungen der Schweiz zur EU prägen den bilateralen Austausch.

Die Schweiz teilt mit Frankreich eine fast 600 km lange Grenze. Entsprechend intensiv ist der grenzüberschreitende Austausch, vor allem in der Agglomeration Genf, der Genferseeregion, dem Espace Mont-Blanc sowie am Oberrhein und im Jurabogen. Über 160’000 Grenzgängerinnen und Grenzgänger aus Frankreich arbeiten in der Schweiz.

Gegenstand der bilateralen Zusammenarbeit sind insbesondere Wirtschafts-, Steuer- und Finanzfragen, die Kooperation im Bereich Forschung und Innovation, Projekte im Bereich Verkehrsinfrastruktur und der Flughafen Basel-Mulhouse (EuroAirport).

Zudem tauschen sich die Schweiz und Frankreich regelmässig über aktuelle internationale Fragen und die Zusammenarbeit in multilateralen Gremien aus.

Datenbank Staatsverträge

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Frankreich ist mit einem Aussenhandelsanteil von 6,85% (2015) nach Deutschland, den USA und Italien der viertwichtigste Handelspartner der Schweiz (Importe und Exporte mit Ausnahme des Goldhandels kumuliert). Aus der Sicht von Frankreich war die Schweiz 2014 der neuntgrösste Kunde und der neuntgrösste Lieferant. Das Handelsvolumen wuchs bis 2008 kontinuierlich an, verzeichnete in den letzten Jahren jedoch einen leichten Rückgang. Im Jahr 2015 lag es bei etwa 27 Milliarden CHF mit einem Handelsbilanzüberschuss für die Schweiz in der Höhe von 576 Millionen.

Das Schweizer Investitionsvolumen in Frankreich lag 2014 bei 34 Milliarden CHF und konzentrierte sich primär auf Grenzregionen und die Region Ile-de-France. Umgekehrt betragen die französischen Direktinvestitionen 45 Milliarden CHF (Ende 2014). Frankreich ist der viertgrösste ausländische Investor in der Schweiz.

Der Tourismus ist ein wichtiger Faktor der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern: Im Jahr 2015 überschritt die Zahl der Logiernächte von französischen Touristen in der Schweiz 1,25 Millionen. Frankreich ist damit nach Deutschland, den USA, Grossbritannien und China der fünftwichtigste Markt des Schweizer Tourismus. Umgekehrt wurden 2014 in Frankreich 3,1 Millionen Logiernächte von Schweizer Touristen verzeichnet.

Handelsförderung, Switzerland Global Enterprise

Handelskammer Frankreich–Schweiz

Europa und Zentralasien, SECO

Abkommen zwischen der Schweiz und Frankreich über das am EuroAirport Basel-Mülhausen anwendbare Steuerrecht (fr) (PDF, Anzahl Seiten 9, 396.5 kB, Französisch)

Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation

Frankreich und die Schweiz pflegen den wissenschaftlichen Austausch in Industrie, Bildung und Forschung. Vertreter des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) und des französischen Ministeriums für Hochschulwesen und Forschung (Ministère français de l'Education nationale, de l’Enseignement supérieur et de la Recherche) besprechen regelmässig die wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit.

Auf multilateraler Ebene arbeiten die Schweiz und Frankreich bei zahlreichen Programmen und in den wichtigsten Forschungsorganisationen Europas, wie dem CERN und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), eng und erfolgreich zusammen. Dank dem schweizerisch-französischen Engagement erhielt das CERN im Dezember 2012 den Beobachterstatus bei der UNO. Seit 2013 werden regelmässig schweizerisch-französische Innovationsforen organisiert, damit sich Wissenschaftler und Unternehmer der beiden Länder austauschen können.

Ebenfalls seit 2013 organisiert die Schweizer Botschaft unter dem Titel «Think Swiss: une vision du futur» regelmässige Veranstaltungen zum Thema Innovation, Bildung und Forschung. Sie sollen Wissenschaftlern und Unternehmern aus beiden Ländern eine Plattform für den Austausch bieten.

Bundes-Exzellenz-Stipendien für ausländische Forschende und Kunstschaffende, SBFI

Europäische Weltraumorganisation, ESA

Europäische Organisation für Kernforschung, CERN

Schweizerinnen und Schweizer in Frankreich

2015 waren in Frankreich bei der Botschaft und den Generalkonsulaten 200’000 Schweizer Staatsangehörige gemeldet. Das ist die grösste Auslandschweizergruppe der Schweiz.

Kulturaustausch

Die kulturellen Beziehungen zwischen der Schweiz und Frankreich sind intensiv. Neben der Schweizer Botschaft organisiert vor allem Pro Helvetia über das «Centre culturel suisse» in Paris zahlreiche Events. Die zuständigen staatlichen Stellen treffen sich regelmässig zu Kulturgesprächen.

Geschichte der bilateralen Beziehungen

Die Schweiz eröffnete 1798 in Paris ihre erste Auslandvertretung. Kurz danach wurde in Bordeaux ein Konsulat eröffnet. Ende des 19. Jahrhunderts war Frankreich der einzige Staat mit einer Gesandtschaft in Bern.

Frankreich, historisches Lexikon der Schweiz